Hörspiel: „Mit diesen Händen“ Ein Stück voller Poesie und Schmutz

Wuppertal steht stellvertretend für einen politischen Anspruch künstlerischer Tätigkeit, der die Gesellschaft einen öffentlichen Raum geben soll – oder den sie ihr verweigert. Nicht nur das Theater als moralische Anstalt war in der Rede des Nobelpreisträgers Böll gemeint, es ging ihm um das Selbstverständnis jeglicher Kunst im Kontext gesellschaftspolitischer Fragestellung.

„Kunst muss also zu weit gehen, um herauszufinden, wie weit sie gehen darf, wie weit die ihr gelassene Freiheitsleine reicht.“

Zur Eröffnung 1966 des Wuppertaler Schauspielhauses hatte Heinrich Böll seine berühmte Rede „Die Freiheit der Kunst“ gehalten.

Zu Heinrich Bölls 100. Geburtstag 2017 komponierte und inszenierte Helmut Oehring im Auftrag der Oper Köln und des Ensemble Musikfabrik das Musiktheater „Kunst muss (zu weit gehen) oder Der Engel schwieg“ und nimmt nun erneut dessen „moralischen Imperativ“ als Ausgangspunkt für sein zweites Hörstück, das die Möglichkeiten und Grenzen politischer Kunst in musikdramatischer Sprache und im Radio als öffentlichem Aufführungsort thematisiert. Durch dieses dokupoetische Hörstück, das instrumentalvokale, chorische Passagen mit gesprochenen Redeabschnitten verwebt, wandert in den Songs Walter Benjamins „Engel der Geschichte“, den Heinrich Böll seit seinem frühesten, erst posthum veröffentlichten Roman „Der Engel schwieg“ in vielen späteren Gedichten beschwor.

Mit diesen Händen. Ein Stück voller Poesie und Schmutz

Hörstück von Helmut Oehring auf die Wuppertaler Rede „Die Freiheit der Kunst“ und andere Texte Heinrich Bölls

Mit: Dagmar Manzel, Hannes Hellmann, Mia Oehring und René Böll; Mathis Meyr am Solo-Cello sowie dem Ensemble Musikfabrik u. a.
Textfassung und Mitarbeit Konzeption: Stefanie Wördemann
Sound-Realisation und Klangregie: Torsten Ottersberg/GOGH surround music production
Komposition und Regie: Helmut Oehring
(Produktion: Autorenproduktion für den SWR 2018 in Zusammenarbeit mit der Oper Köln und dem Ensemble Musikfabrik)

Helmut Oehring, geboren 1961 in Ost-Berlin, lebt in der Märkischen Schweiz nahe Berlin. Als Kind gehörloser Eltern wurde er in der DDR als Wehrdienstverweigerer vom Studium ausgeschlossen, nach der Wende Meisterschüler der Kompositionsklasse von Georg Katzer an der Akademie der Künste zu Berlin, deren Mitglied er heute ist. Vielfach ausgezeichnet, zählt er zu den erfolgreichsten Komponisten und Regisseuren zeitgenössischer Musik und des Musiktheaters. Für den SWR realisierte er 2015 sein erstes Hörspiel »Mit anderen Augen«.

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