Hörspiel „Kuno Kohns Capriccio“ von Hermann Kretzschmar nach Texten von Alfred Lichtenstein

Wenn der Himmel melancholisch wird und vergilbte Lichter anfangen zu glänzen, dann beginnt es expressionistisch zu dämmern. Alfred Lichtenstein spürte und ver-dichtete als einer der ersten in Deutschland diese Großstadtstimmung.

Mit zwanzig veröffentlichte er seine ersten Verse, mit gerade 25 fiel er im September 1914. Sein Alter Ego entwarf er in der Figur des Kuno Kohn, einem dichtenden Dilettanten. Er trägt die Stigmata des Außenseiters. Er ist schwul, jüdisch und bucklig. Ein Mensch mit Masken und überspannten Nerven, den sein Autor im Milieu von Luden und Huren zappeln und verenden lässt wie ein Tier.

Der Komponist Hermann Kretzschmar hat aus diversen Texten von Lichtenstein ein Libretto collagiert und ein Hörstück erschaffen mit modernen Songs, Couplets, Liedern, Sounds und Szenen, in der Tradition einer Revue von Brecht und Eisler. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit der Ausstellung „Gesamtkunstwerk Expressionismus“ auf der Mathildenhöhe Darmstadt und hr2-kultur.

„Kuno Kohns Capriccio“ von Hermann Kretzschmar nach Texten von Alfred Lichtenstein

Mit Lars Rudolph, Sandra Bayrhammer, Bernd Michael Lade, Christian Redl u. v. a.

Musik: Hermann Kretzschmar
Regie: Leonhard Koppelmann

hr/SWR 2011, unterstützt von kulturfonds frankfurt rheinmain

Hermann Kretzschmar ist Mitglied des Ensemble Modern. Er komponiert Kammermusik mit Elektronik und Hörstücke, zuletzt „Büchners Bote“ (SWR/hr 2013) und für das Bibelprojekt des hr „Superpsalm“ (2015).

© HR 2, Hörspiel, 23.5.2018

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