Zum 125. Geburtstag von Marcel Pagnol. Fast zweitausend Jahre galt der Verräter Judas als ein Verbrecher ohne Gleichen, bis man, aus neuerem Geschichts- und Religionsverständnis heraus, begann in ihm eine tragische Figur zu sehen, einen gläubigen Juden, der sich als Werkzeug seines grausamen Gottes sah. 

So zeichnet ihn auch Marcel Pagnol in seinem Theaterstück: als Judas am Vorabend des Passahfestes zu den Seinen, armen Weinbauern, heimgekehrt, muss er sich verstecken. Römische Soldaten fahnden auf Befehl des Pontius Pilatus nach Jesus und seinen Anhängern, die der Hohe Rat als Rebellen und Gotteslästerer denunziert hat. Judas Vater rät ihm, das Versteck des Jesus preiszugeben, da Centurio ihm anschließend Straffreiheit zusprechen werde. Doch Judas will davon nichts wissen und macht sich auf den Weg nach Jerusalem, um mit Jesus gemeinsam das Osterfest zu feiern. Jesus prophezeit dort vor allen anderen, dass Judas es sein wird, der ihn verrät, damit sich das Los des Messias, wie es in der Schrift geschrieben steht, erfüllen kann. Judas flieht voller Verzweiflung in sein Dorf zurück und bittet dort einen Alten um Rat. Dieser zitiert den Propheten Jesaia, der verkündete „Wenn er der Messias ist, was hat er dann zu fürchten? Wenn Du für ihn fürchtest, beweist das, dass du nicht an ihn glaubst“. Es ist nur Judas starker Glaube an Jesus allein, der ihn die schwere Schuld des Verrats auf sich nehmen lässt.

 
http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/Judas-Marcel-Pagnol.mp3
 
Judas
Von Marcel Pagnol
Aus dem Französischen von Walter Haug
Mit Thomas Holtzmann, Markus Boysen, Michael Harles, Stefan Born, Tobias Lelle, Doris Schade, Joachim Höppner, Gundula Rapsch, Wolfgang Büttner, Reinhard Glemnitz, Michael Mendel, Jochen Striebeck und anderen
Regie: Michael Peter
BR 1988

Marcel Pagnol, geb. 1895 in Aubagne bei Marseille, gest. 1974 in Paris, Schriftsteller und Regisseur. Theaterstücke und Musicals ab 1928, mit 60 Jahren weltweite Popularität mit autobiographischer Romantrilogie Eine Kindheit in der Provence (1957-1959)

© Bayern 2, Hörspiel, 29.2.2020

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