Hörspiel: „Interview mit einem Stern (2/4)“ Von Ernst Schnabel

Am 3. März 1951 startete Ernst Schnabel zu einem Flug um die Erde. Die Erledigungen der behördlichen Formalitäten hatten drei Monate in Anspruch genommen, er war gegen 99 Krankheiten geimpft worden, einschließlich der Pest. Und er war der erste Deutsche nach dem Krieg, dem es gelang, einen solchen Plan zu verwirklichen.

Ernst Schnabel schrieb zu seiner Großreportage: „Ich bin im März um die Welt geflogen. In neuneinhalb Tagen. Die meisten Leute, denen ich davon erzähle, schütteln den Kopf und meinen, das sei ein völlig verrücktes Tempo. – Ich für meine Person hatte mir allerdings etwas dabei gedacht: Ich bin früher Seemann gewesen. Viele Jahre hindurch und auf allen Meeren. Aber gerade, weil ich so viel von der Welt kannte, drohte sie mir immer unter den Händen auseinanderzufallen, in Zonen, die sich miteinander nicht vergleichen lassen, und Kontinente, die sich gegenseitig nichts anzugehen schienen. Ich habe diese Gefahr, in der ich schwebte, immer deutlicher gespürt und mir immer gewünscht, einmal mit einem einzigen Flug um die Erde die Welt in meiner Vorstellung als heiles Ganzes wiederherstellen zu können.“

 

„Interview mit einem Stern (2/4)“ Von Ernst Schnabel

Komposition: Johannes Aschenbrenner
Regie: Fritz Schröder-Jahn
Mit Hardy Krüger, Heinz Klevenow, Heinz Klingenberg, Eduard Marks, Louise Dorsay, Vera Schult, Ernst Schnabel, u.a.

Produktion: NWDR 1951

© Deutschlandfunk, Hörspiel, 15.5.2018

3 Replies to “Hörspiel: „Interview mit einem Stern (2/4)“ Von Ernst Schnabel

  1. Erstaunlich, sage ich noch einmal, allein das Altvertraute: Man hört in größter Klarheit die Stimmen von längst Verstorbenen (gute Studioaufnahmen, gut konserviert). Ausnahme ist – Mitte 2019 – hier Hardy Krüger. Das ist eine Stimme, die man aus alten Filmen, dem Fernsehen vor 20, 30 Jahren, kennt. Natürlich klingt er heute als 92-Jähriger ganz anders.

    Schnabel in Hongkong über das Leben chinesischer Familien auf Dschunken in verrottenden Dschunken (Anspruchslos, ohne Aussicht, aus dem Kreislauf von Aufwachsen und Altern in tiefster Armut auszubrechen: „Das Leben als Flora“. Naja, dürfte, würde man heute nicht mehr so zuspitzen. Dass er es verstand, tief empfundene Wahrheiten in ansprechende literarische Form zu bringen, ja. Nicht bedenken konnte er den vorauszuahnenden enormen Wandel: Dschunken gibt es heute an den fernöstlichen Küsten schon seit Jahrzehnten nicht mehr, Ich habe aber noch Anfang dieses Jahres aus einem modernen Apartment tief unten auf dem Kanal die schäbigen Binnenschiffe in dichter Folge vorbeituckern gesehen. 2000 in Suzhou sahen sie genauso aus.

    Schnabel schafft es, auf seiner irrsinnig rastlosen Weltreise jeden Stein umzudrehen. Er scheint ja geradezu die Seele Indiens in eine dichte Beschreibung seiner Reiseeindrücke und älterer Erinnerungen gebannt zu haben, da ist er keine zehn Hörminuten später in einem „lebenden Gemälde“, vor der Küste Chinas. Taiwan nannte er noch Formosa!

    Und er hatte sogar das Glück, kurz den Fujiyama aus den Wolken auftauchen zu sehen. Immer noch ein Thema der Japan-Besucher,

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