Der ur-deutsche Faust resümierte seine Gelehrtheit so: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“ Worauf der Teufelspakt beginnt, der seinen Höhepunkt in der Verführung der naiven Unschuld findet.

 

In Gertrude Steins freier Aneignung des Faust-Stoffes lautet es hingegen: „Ich bin Doktor Faust der alles weiß alles kann.“ So hat er schlechte Laune, da er mit Hilfe Mephistos das elektrische Licht in Form der Glühbirne erfunden hat. Mit ein paar Stunden mehr Zeit hätte er weißes elektrisches Tageslicht erfunden – und trotzdem ist er auch hier seine Seele los.

Da begegnet ihm eine Frau von irritierender Identität: Marguerite Ida und Helen Annabel nennt sie sich. Faust kann sie zwar von einem Vipernbiss heilen, aber nicht ihre Gelüste erregen; denen erliegt die Frau bei einem „Mann aus Übersee“. Faust hingegen fährt erst in die Hölle, nachdem er seinen Hund und einen Jungen getötet hat, die über die Schäden des elektrischen Lichts sich beklagen.

Gertrude Steins „Doctor Faustus Lights the Lights“, 1938 als Libretto für eine Oper geschrieben, ist eine überschäumende Geschichte voller absurder Komik und sprachspielerischer Eleganz.

„Doktor Faustus – Elektrisiert“ Von Gertrude Stein

Aus dem Amerikanischen-Englisch von Rüdiger von Schmeidel
Mit: Marianne Hoppe, Hans Korte, Peer Augustinski, Gutl Halenke u. v. a.
Komposition: Klaus Schulze/Rainer Bloss
Regie: Friedhelm Ortmann
(Produktion: WDR 1985)

Mit der Musik von Klaus Schulze, Mitglied von Tangerine Dream und legendärer Begründer der ambient music, sowie Rainer Bloss am Synthesizer entsteht ein heiteres und traumgleiches Stimmenspiel in der Technik der Kunstkopfstereofonie.

Gertrude Stein, (1874–1946) zählt zu den Ikonen der modernen Kunst und Literatur.

© SWR 2, Hörspiel, 18.2.2018

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