Die Situation ist ebenso grotesk wie ausweglos. Radio Moskau hat soeben sein Spätprogramm beendet. Abendsprecher und Abendredakteur sind dabei, das Studio aufzuräumen. Plötzlich klingelt das Telefon. Genosse Generalsekretär ist am Apparat, höchstpersönlich.

Und er hat einen höchst persönlichen Wunsch. Eine Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart ist ihm durch den Kopf gegangen. Klaviersonate a-Moll, Köchelverzeichnis 310. Nun will er eine Gesamtaufnahme haben. Aber nicht irgendeine, sondern die mit der großen Pianistin Maria Lwowna Dschersinskaia. Weiß der Anrufer nicht, dass die Dschersinskaia längst in Ungnade gefallen ist? Will er vielleicht nur die Linientreue der Rundfunkmitarbeiter prüfen?

Nach der Ursendung im März 1992 schrieb Paul Josef Raue in der „Funkkorrespondenz“: „Mairowitz schrieb die unendliche Geschichte des Menschen im Faschismus, das Gleichnis von der Unmöglichkeit, im Staats-Terror Mensch zu bleiben – es sei denn als Opfer, als schuldlos Leidender.

Eva Maria Lenz in „Kirche und Rundfunk“: „Beklemmend hat Walter Adler Stalinsonate als akustische Zerreißprobe inszeniert, die verkehrte Musik wird zum Indikator der verkehrten totalitären Welt.“

Die Stalinsonate“ von David Zane Mairowitz

Mit Marlen Diekhoff, Dieter Laser, Friedhelm Ptok u. v. a.

Aus dem Englischen von Ursula Tabori-Grützmacher

Komposition: Christoph Gotthard

Regie: Walter Adler

hr 1991

© HR 2, Hörspiel, 22.10.2017

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