Hörspiel: „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza

Zwei Buben, beide elf Jahre alt, haben sich im Park geprügelt. Einer hat dem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern treffen sich, um ganz sachlich, tolerant und wie es sich für kultivierte Menschen gehört, den Vorfall zu besprechen. Alain und Annette überlegen mit Véronique und Michel bei Kaffee und Gebäck, wie man pädagogisch richtig auf Ferdinand, den Täter, und Bruno, das Opfer, einwirken kann.

Aber das ist nicht so einfach. Wer war der eigentlich Schuldige? Deutet Ferdinands rabiates Verhalten vielleicht auf Eheprobleme zwischen Alain und Annette hin? Und schließlich, was ist eigentlich schlimmer: dass sich die hypernervöse Annette quer über Véroniques Kunstbände übergibt oder dass Véronique das Wohlergehen ihrer Bücher deutlich mehr am Herzen liegt als das ihres Gastes? Oder: Dass der konsensbemühte Michel den Hamster seiner Tochter heimlich ausgesetzt hat, oder dass Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsschädlichen Medikament juristisch vertritt?

Aus Sticheleien werden Wortgefechte, aus Streitereien werden Handgreiflichkeiten, und der Nachmittag unter zivilisierten Menschen unserer westlichen Gesellschaft nimmt einen, gelinde gesagt, unangenehmen Verlauf.

Die Autorin Yasmina Reza verwischt mit diabolischem Humor und schneidender Rhetorik die Grenzen zwischen Zivilisation und Barbarei.

„Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza.
Mit Ulrike Krumbiegel, Udo Wachtveitl, Corinna Harfouch, Sylvester Groth,
Übersetzung: Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel,
Regie: Robert Matejka (MDR, 2008)

© Ö1, Hörspiel, 8.9.2018

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