Hörspiel „Amerika“ von Franz Kafka / Max Brod

„Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht. Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor, und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.“ [Franz Kafka, Amerika]

Karl Roßmann wird von seiner Familie verstoßen und geht nach Amerika, um dort sein Glück zu machen. Doch seine Versuche, sich in die rationalisierte Welt der Arbeit einzuordnen, scheitern immer wieder: Ein reicher Onkel nimmt sich seiner an und verstößt ihn rasch wieder. In einem Hotel wird er als Liftboy angestellt. Auch hier zu Unrecht entlassen, findet er als Diener Unterkunft bei der Sängerin Brunelda. Im unvollendeten Schlusskapitel des unter dem Titel „Der Verschollene“ entstandenen Romanfragments deutet sich ein positiver Ausgang an: Das „Naturtheater von Oklahoma“ bietet allen Menschen Beschäftigung, die als „Künstler“ ihre eigene Individualität entwickeln wollen.

„Amerika“ von Franz Kafka / Max Brod

Mit Joachim Teege, Alfred Balthoff, Kurt Hoffmann, Edith Teichmann u. v. a.
Komposition: Peter Zwetkoff
Bearbeitung & Regie: Ludwig Cremer
SWF 1957

© HR 2, Hörspiel, 26.8.2018

8 Replies to “Hörspiel „Amerika“ von Franz Kafka / Max Brod

  1. Genau, weg vom Alltag und der Stadt, raus aufs Land (Südfrankreich), offline für 4 Wochen. Mittlerweile sind schon wieder 3 Mixe dazugekommen, stimmt – der Alltag holte mich schneller ein als ich dachte.

  2. Irgendwie ist der Urlaub, wenn man wieder mit der Arbeit beginnt, innerhalb einer Sekunde weg. Nie gewesen … Offline war dieses Jahr, wo alles anders war, nicht möglich und eigentlich habe ich es auch nicht gebraucht. Seltsame Zeit …. Deine Mixe sind bald dran.

    1. Ein Wort zu Kafkas „Amerika“ und diesem Mix – auf den Roman bin ich ebenfalls durch Musik gekommen, nämlich als Teenager durch die Liner Notes von Art of Noise’s zweitem Album „Who’s Afraid…?“, das u.a. eine Passage von Theodor W. Adornos „Minima Moralia“ zitiert:

      „The Art Of Noise suddenly realised… that waking in the middle of a dream, even the worst, one feels disappointed, even cheated of the best in life. But pleasant, fufilled dreams are actually as rare, to use Schubert’s words, as happy music. Even the loveliest dream bears like a blemish it’s difference from reality, the awareness that what it grants is mere illusion. This is precisely why the loveliest dreams are as if blighted. Such an impression is captured superlatively in the description of the nature theatre of Oklahoma in Kafka’s America.“

      Ich habe den Roman darauf gelesen, und auch Kafkas Kurzgeschichten. Die Musik, die ich für diesen Mix ausgewählt habe, gibt dies Stimmung wider, die ich beim Lesen des Romans damals empfunden habe.

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