Hörfunktipps KW 40 Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen

Montag, 03. Oktober 2016

 

Essay und Diskurs  •  09:30 – 10:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Zu teuer, um gut zu sein?

Die Kunst und der Markt

Von Martin Zeyn

Mehr als jede andere Kunstform hat die bildende Kunst das Problem, dass für die Werke oft unvorstellbar hohe Summen bezahlt werden. Das stößt und stieß immer wieder auf Kritik. Das Reinheitsgebot, dass Kunst und Mammon auseinander gehalten werden müssen, fordern Leitartikler ebenso wie Feierabend-Sachverständige. Ist die bildende Kunst korrumpiert? Stehen wir wieder am Beginn eines feudalen Zeitalters, an dem sich nur ganz wenige Bilder und Skulpturen leisten können? Oder sollten wir einfach darauf verzichten, von ›der‹ Kunst zu sprechen und einfach besser differenzieren: in Sammlerkunst, Ausstellungskunst und Kunst, die in kein Schema passt?

 

Das Feature  •  10:05 – 11:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Panzerfahren für Papi

Das Geschäft mit den Erlebnisgeschenken

Von Christoph Spittler

Regie: Robert Steudtner

DLF 2015

Im Supermarkt kann man alles kaufen. Seife, Butter, Bier und neuerdings auch: Erlebnisse. An der Kasse hängen sie, die Erlebnispakete von Dienstleistern wie Mydays, Jochen Schweizer oder Smartbox. Ein Fallschirmsprung, ein Erotik-Fotoshooting, einen Tag lang Bodyguard sein, einen Song im Studio aufnehmen oder einmal Bagger fahren. Erlebnisse kaufen? Hat man die nicht von alleine? Ist das der Endpunkt der Kommerzialisierung, wenn Leben selbst, in leicht verdauliche Pakete konfektioniert, zur Ware gemacht wird? Welches Ideal von Leben steckt dahinter? Das Leben als eine Aneinanderreihung von möglichst vielen schönen oder zumindest besonderen Erlebnissen, die man kaufen kann wie ein neues Handy oder ein paar Stiefel? Und was erlebt man eigentlich genau im gekauften Erlebnis? Der Soziologe Gerhard Schulze prägte 1992 das Schlagwort von der ›Erlebnisgesellschaft‹. Sind wir erst jetzt, im Zeitalter der konsumierbaren Erlebnispakete, richtig dort angekommen?

 

Hörspiel  •  18:30 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Blutsbrüder – Cliquenturbo

Nach dem Roman von Ernst Haffner

Von Thomas Martin

Regie: Thomas Martin und Ulrike Brinkmann

Ton: Jean Szymczak

DKultur 2016/ca. 89′

(Ursendung)

Berlin zwischen den Kriegen. Jugendliche organisieren sich in Banden, um zu überleben. Sie kommen aus Heimen, Auffanglagern, von der Straße, vom Strich, aus Kaschemmen und Spelunken. Es sind kaputte, vitale, hungrige, raffinierte Kinder. Gierig nach Wärme, zum Verbrechen bereit. Ernst Haffners Roman erschien 1932 unter dem Titel ›Jugend auf der Landstraße Berlin‹. 2013 wurde er neu aufgelegt unter dem Titel ›Blutsbrüder. Ein Berliner Cliquenroman‹.

 

 

 

Dienstag, 04. Oktober 2016

 

Das Feature  •  19:15 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Kinderhochzeit

Wenn Minderjährige zur Ehe gezwungen werden

Von Katharina Nickoleit

Regie: Claudia Kattanek

DLF 2016

Jedes Jahr werden 15 Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet. Weltweit ist jedes dritte Mädchen davon betroffen, viele von ihnen sind sogar unter 15 Jahre alt. Diese Menschenrechtsverletzung kommt straffreiem Kindesmissbrauch gleich. Verheiratete Mädchen, die etwa bei Geburten Leib und Leben riskieren, waren bislang nur aus dem fernen Ausland bekannt, zum Beispiel aus Nepal. Doch mit den Flüchtlingen gelangen Frühverheiratete auch nach Deutschland. In den Flüchtlingslagern rund um Syrien übergeben besonders viele Eltern ihre Töchter an ältere Ehemänner, in der Hoffnung, sie dadurch zu schützen. In den Niederlanden sind Frühehen seit Anfang 2016 verboten, Deutschland hat bislang kein Konzept zum Umgang mit diesen minderjährigen Ehefrauen. Wie können sie wirksam geschützt werden?

 

Zeitfragen. Feature  •  19:30 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Die Stadt, das Klima und eine dritte Natur

Modelle der Klimaanpassung in den Metropolen des Nordens

Von Jane Tversted und Martin Zähringer

Der Klimawandel führt zu Landflucht und die Städte wachsen immer weiter, aber auch die Städte werden Opfer von Naturkatastrophen. Was ist zu tun? Kann man sich an den Klimawandel anpassen und vom Norden lernen, wo im Jahr 2011 mehrere Metropolen von heftigen Regenwasserüberflutungen heimgesucht wurden? Kopenhagen reagiert mit ökologischen Stadtentwicklungsmodellen, die das Wasser im Sinne einer dritten Natur zur grünen Strukturumwandlung nutzen, Hamburg legt einen Plan zur Regen-Infrastruktur-Anpassung vor. Ist die Ökologisierung der Städte die richtige Antwort auf globale Klimakrisen?

 

Mittwoch, 05. Oktober 2016

 

Lesezeit  •  20:30 – 21:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Terézia Mora liest aus ihrem Erzählungsband

›Die Liebe unter Aliens‹ (1/2)

(Teil 2 am 12.10.16)

Mit Erzählungen hat Terézia Mora den Reigen ihrer erzählenden Bücher eröffnet. Nach mehreren Romanen und vielen Übersetzungen legt sie nun wieder einen Erzählband vor: ›Die Liebe unter Aliens‹: Wir begegnen Frauen und Männern, die sich merkwürdig fremd sind und zueinander finden wollen. Einzelgängern, die sich ihre wahren Gefühle nicht eingestehen. Träumern, die sich ihren Idealismus auf eigensinnige Weise bewahren. Mit präziser Nüchternheit spürt Mora in zehn Erzählungen Empfindungen nach, für die es keinen Auslass zu geben scheint, und erforscht die bisweilen tragikomische Sehnsucht nach Freundschaft, Liebe und Glück. Terézia Mora, 1971 in Sopron (Ungarn) geboren, lebt seit 1990 in Berlin. Bereits 1999 wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Für ihren Roman ›Das Ungeheuer‹ erhielt sie 2013 den Deutschen Buchpreis. Nach einen kurzen Gespräch liest sie aus ihrem Band ›Die Liebe unter Aliens‹.

 

Feature  •  0:05 – 01:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Geld und Wut

Start-up

Phasen einer Unternehmensgründung

Von Jean-Claude Kuner

Mit Anne Müller, Pascal Houdus

Musik: Falko Brocksieper

Ton: Tobias Falke

NDR/RBB 2016/54’26

2009 wollen vier junge Programmierer mit ihrer Musik-Software Bitwig ein Unternehmen gründen. Von der Geschäftswelt haben sie keine Ahnung, und schon bald kommt es zu unvorhergesehenen Hürden. Die Entwicklung dauert länger als geplant und das Geld droht auszugehen, während auf den internationalen Musikmessen bereits der Vertrieb angekurbelt wird. Auch privat gibt es Veränderungen. Vier Kinder werden geboren, und die finanzielle Zukunft ihrer Väter ist weiter ungewiss.

 

Donnerstag, 06. Oktober 2016

 

JazzFacts  •  21:05 – 22:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

String Tales

Die vielfältigen Saitenwelten des Gitarristen Markus Segschneider

Von Odilo Clausnitzer

›Musician’s Musician‹, so lautet der englische Fachausdruck für einen wie Markus Segschneider: Der Kölner Gitarrist wird von Kollegen hoch geschätzt und gerne als Side-Man herangezogen. In der Fachszene gilt er als Spitzenkönner auf seinem Instrument. Aber einem größeren Publikum ist er kaum bekannt. Zu den prominenten Kollegen, die sich auf seine Mitarbeit verließen, gehören der Komponist Klaus König, der Bassist André Nendza, der Saxofonist Roger Hanschel und jüngst der Pianist Florian Ross. In dessen Band spielt Segschneider auch die im Jazz eigentlich ungebräuchliche Pedal Steel-Guitar und integriert deren Sound meisterlich in das Fusion-Umfeld. Mit seinem eigenen Projekt ›String Tales‹ eröffnete Markus Segschneider bereits 1999 eine inzwischen beachtlich angewachsene Reihe von Solo-CDs mit akustischer Gitarrenmusik. Jetzt hat er ein neues Quartett unter eigenem Namen gegründet. ›Jazzfacts‹ stellt den vielseitigen Musiker in älteren und neuen Aufnahmen vor.

 

Zeitfragen. Feature  •  19:30 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Tabletten gegen die große Traurigkeit?

Antidepressiva und ihre Wirksamkeit

Von Julia Friedrichs

In Deutschland hat sich laut OECD die Zahl der Verschreibungen von Antidepressiva deutlich erhöht. Gleichzeitig sind Therapieplätze knapp. Dabei haben zahlreiche Studien Zweifel an der Wirksamkeit der Medikamente gesät: nur bei schwer Depressiven ist sie überhaupt nachweisbar, bei leichten und mittelschweren Depressionen fühlen sich die Menschen zwar besser, aber nicht besser als die, die eine Zuckerpille geschluckt haben. Bei leichten und mittleren Depressionen empfiehlt das britische ›Institute for Health and Care Excellence‹ keine Antidepressiva mehr. Stattdessen bildet Großbritannien Coaches aus, die Menschen mit leichten und mittleren Depressionen erfolgreich durch Sport und Zuwendung aktivieren. Warum glauben wir hierzulande so sehr an die Pille gegen Depressionen? Müssten Ärzte und Psychiater die Patienten nicht viel besser aufklären? Warum kopiert Deutschland nicht das britische Programm? Und sind am Ende vielleicht alle froh mit der Pille, selbst wenn sie nicht wirkt?

 

 

Freitag, 07. Oktober 2016

 

Dossier  •  19:15 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Smarte Welten im Kapitalismus 2.0

Von Michael Reitz

DLF 2016

»Smart« ist eine neue Stufe der industriellen und gesellschaftlichen Entwicklung, die erste angekündigte Revolution. Experten sprechen von einem »Kapitalismus 2.0«. Er zeigt sich in der Smart City, der allwissenden Stadt. Der Stadt der selbstfahrenden Autos und beschützenden Ampelsysteme. Fürsorgliche Kameras, kombiniert mit allen nur denkbaren, von Passanten und Autofahrern per Smartphone gelieferten Datensätzen, sorgen für Smart Security. Weniger Angst, mehr Freizeit, mehr Möglichkeiten, sich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu kümmern. Ein Innovationsschub, der an der Basis der Gesellschaft beginnt und ihre Selbstorganisation fördert. Sagen die einen. Die anderen halten dagegen: Der Mensch werde arbeitslos, unselbständig, abhängig. Die smarte neue Welt folge dem Imperativ einer totalen Berechenbarkeit der Realität. Und die sei vor allem totalitär. Der Autor befragt Anhänger und Gegner der smarten Welten und Menschen, die versuchen, pragmatisch damit umzugehen.

 

Klangkunst  •  00:05 – 01:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

FRACTURE

Von Hanna Hartman

DKultur 2016/ca. 30′

(Ursendung)

Geschirr, Fenster und Türen zittern. Geparkte Autos schwingen. Instabile Objekte fallen um. Bäume schwanken. Das Gehen wird schwierig. Das Autofahren wird schwierig. Kamine, Fabrikschornsteine, Säulen, Denkmäler und Wände stürzen ein. Häuser werden von ihren Fundamenten geschoben. Schäden an unterirdischen Rohrleitungen und Talsperren treten auf. Bahnschienen werden verbogen. Es gibt große Erdrutsche, das Wasser in Seen, Flüssen und Kanälen tritt über die Ufer. Brücken werden zerstört. Die Erdoberfläche verändert sich stark, Objekte werden in die Luft geschleudert, die Erdkruste bewegt sich in Wellen, große Felsmassen geraten ins Rutschen.

 

 

Samstag, 08. Oktober 2016

 

Hörspiel  •  20:05 – 22:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Evangelium Pasolini

Von Arnold Stadler und Oliver Sturm

Regie: Oliver Sturm

Mit Tilo Werner, Udo Schenk

HR/DLF 2016/ca. 70′

(Ursendung)

1964 überraschte Pier Paolo Pasolini Kirche und Publikum mit seinem Film ›Das 1. Evangelium des Matthäus‹. Anders als in vergleichbaren Werken stellt Pasolini Jesus als realistische, menschliche Figur dar und setzt zugleich kompromisslos die biblische Vorlage um. Angesichts von Pasolinis Homosexualität und seiner kommunistischen Überzeugung hat dies sowohl in katholischen als auch in linken Kreisen Verwunderung hervorgerufen. Das Hörspiel erzählt das Matthäus-Evangelium aus verschiedenen Perspektiven. Einerseits aus der des Films von Pasolini, andererseits aus der des Schriftstellers Arnold Stadler, der diesen Film betrachtet. Stellt man in Rechnung, dass das Evangelium das Leben Christi erzählt, so entsteht im Hörspiel eine zwiebelartige Verschachtelung einer Erzählung in der Erzählung in der Erzählung. Das Evangelium, der Film, das Drehbuch und der nacherzählte Film formulieren ein vielperspektivisches Bild der ursprünglichen Geschichte von der Jungfrauengeburt bis zum Kreuzestod.

 

Lange Nacht  •  00:05 – 03:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Die Spur der Macht in uns allen

Die Lange Nacht über Michel Foucault

Von Christoph David Piorkowski

Regie: Rita Höhne

Als Michel Foucault 1984 im Alter von 57 Jahren stirbt, ist er längst zum internationalen Pop-Star der Wissenschaften vom Menschen geworden. Foucaults Diskursanalyse, mit der er jene Strukturen herausarbeitete, die dem Denken und Handeln der Menschen in einer bestimmten Zeit ihr Gepräge geben, ist eine anerkannte Methode in Soziologie, Ethnologie, Literatur- und Geschichtswissenschaft und Philosophie geworden. Seine Schriften zu modernen Machttechniken zeigen, wie eng Macht mit Wissen und körperlich wirksamen Disziplinen verbunden ist. Wahlweise als Kommunist, Dandy, Reaktionär, Antihumanist oder Anarchist bezeichnet, wurde ihm keine dieser Zuschreibungen gerecht. Vor allem in seiner letzten Schaffensphase bestand er auf der Möglichkeit zur Wandlung der eigenen Gestalt und suchte jenseits des Zugriffs moderner Macht nach Formen der Selbstgestaltung.

Die ›Lange Nacht‹ wird ab 23:05 Uhr auch im Deutschlandfunk gesendet.

 

 

Sonntag, 09. Oktober 2016

 

Essay und Diskurs  •  9:30 – 10:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Präsidentschaftswahlen in den USA (1/4)

Die Rassistenpartei

Von Hannes Stein

(Teil 2 am 16.10.16)

Es ist ein trauriger Witz der Weltgeschichte, dass ausgerechnet die Partei Abraham Lincolns jetzt einen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat, der offen den Hass gegen Mexikaner und Muslime predigt. Die Republikaner waren im 19. Jahrhundert die Anti-Sklaverei-Partei. Die Abschaffung der Sklaverei (13. Amendment) und die Gewährung voller Bürgerrechte für alle im Land Geborenen, unabhängig von der Hautfarbe (14. Amendment), waren Errungenschaften der Republikaner. Noch der Civil Rights Act wurde vor allem mit den Stimmen republikanischer Abgeordneter verabschiedet. Erst unter Nixon fingen die Republikaner an, jene Wähler in den Südstaaten einzufangen, die zuvor für die rassistischen ›Dixiecrats‹ gestimmt hatten. Noch George W. Bush – was immer man sonst von ihm halten mag – hat sich für Einwanderer eingesetzt und war alles andere als islamophob. Essayist Hannes Stein verfolgt die Geschichte der Republikanischen Partei in Amerika.

 

Nachspiel. Feature  •  18:05 – 18:30 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Flanke von rechts

Radikale am Spielfeldrand

Von Thilo Schmidt

Die integrative Wirkung des Sports ist nicht zu leugnen. Darum wird sie bei jedem internationalen Turnier werbefördernd in den Vordergrund gestellt, wie zuletzt bei der Fußball-EM 2016. Multikulturelle Nationalmannschaften sollen die Vielfalt des Sports demonstrieren, in Deutschland wird die Solidarität mit Jérôme Boateng nach den rassistischen Angriffen aus der AfD zum Selbstläufer. Gleichzeitig randalieren in Frankreich nationalistische Hooligans. Denn der Sport trennt gleichermaßen wie er verbindet. Inzwischen gilt eine Faustregel: Je tiefer die Liga, desto härter die Bandagen. Wie gehen Vereine und Verbände damit um? Was wird geduldet, was nicht? Und warum sehen organisierte Rechtsextreme gerade in kleinen Sportvereinen so viele Möglichkeiten, fremdenfeindliche Ressentiments zu bedienen und Nachwuchs zu rekrutieren?

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