Hörfunktipps KW 37 Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen

Montag, 12. September 2016

 

Musikszene • 20:10 – 21:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Sakrale Tradition und neue Wege

Jüdische Kantorenausbildung in Deutschland

Von Jan Tengeler

Die sakrale Musik des Judentums fußt in einer vokalen Tradition: Der Kantor ist ein Vorsänger, der die Liturgie wesentlich durch die gesungenen Gebete gestaltet. Spuren dieser Musik lassen sich heute aber nicht nur in der Synagoge, sondern in einer großen Vielfalt unterschiedlicher Stile finden – die europäische Klassik ist von ihr genauso beeinflusst wie die Folklore Osteuropas. In Deutschland gibt es eine der wenigen Ausbildungsstätten für Kantoren und Kantorinnen: Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam besteht seit 1999 und ist das erste Ausbildungsseminar für Rabbiner und Kantoren in Kontinentaleuropa nach der Schoah. Neben der Vermittlung musikalischer Abläufe spielen auch die Grundlagen der jüdischen Theologie und ihr Einfluss auf das europäische Geistesleben eine wichtige Rolle. In der ›Musikszene‹ kommen die führenden Experten der Synagogenmusik zu Wort. Die Studierenden berichten, wie Kantoren heute mit der vielfältigen Tradition der sakralen Musik umgehen.

 

Zeitfragen. Feature • 19:30 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Double Irish with a Dutch Sandwich

Die Steuertricks der Großkonzerne

Von Thomas Otto

Schätzungsweise eine Billion Euro geht den EU-Staaten im Jahr durch Steuertricks verloren. Spätestens seit den Luxleaks-Enthüllungen ist bekannt: Die wahren Steueroasen heißen nicht Panama oder Cayman Islands, sondern Luxemburg, Niederlande oder Belgien. So verschieben internationale Großkonzerne wie Google, Apple und Ikea ihre Gewinne nach dem Double Irish with a Dutch Sandwich-Modell und reduzieren so ihre Steuern gewaltig. Das EU-Parlament hat versucht aufzuklären, wie es zu diesem schädlichen Wettbewerb um die niedrigsten Steuern kommen konnte. Ein Ergebnis: Manche der EU-Mitgliedsstaaten haben den Kampf gegen die Steuerflucht bewusst sabotiert. Bei ihren Recherchen sind die Abgeordneten allerdings auf heftigen Widerstand gestoßen, auch aus den eigenen Reihen.

 

Kriminalhörspiel • 21:30 – 22:30 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Niemandskind

Von Dirk Josczok

Regie: Beatrix Ackers

Mit Guntbert Warns, Claudia Eisinger, Herbert Sand, Andreas Schmidt, Shorty Scheumann, Margit Bendokat, Tonio Arango, Janusz Kocaj u.a.

Ton: Alexander Brennecke

DKultur 2013/55’53

Annegret Krauser – 35 Jahre, ledig, arbeitslos – wird in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Neben ihr eine Schnapsflasche, vermutlich die Tatwaffe. Hauptkommissar Magnus und sein Team beginnen, in dem trostlosen Hochhaus zu ermitteln. Nur Nachbar Elmar Büssow hörte öfter Streit zwischen Annegret und ihrem Freund Thilo Griebke, einem polizeibekannten Schläger. Nach dem pathologischen Befund hat sie vor kurzem entbunden. Wo aber ist das Kind?

 

 

Dienstag, 13. September 2016

 

Sprechstunde • 10:10 – 11:30 Uhr  •  Deutschlandfunk

Wenn Rheuma auf den Magen schlägt

Nebenwirkungen bei der Behandlung von Rheumapatienten

Studiogast: Prof. Ulf Müller-Ladner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Am Mikrofon: Carsten Schroeder

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung! In nur wenigen Bereichen der Medizin zeigt sich dieses pharmazeutische Postulat deutlicher als in der Rheumatologie. Hochwirksame Antirheumatika können zu Schmerzen und Übelkeit führen, in schweren Fällen kommt es zu Blutungen und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt. Andere leiden unter Hautirritationen, hohem Blutdruck und Knochenentkalkungen. Die Liste ließe sich fast beliebig verlängern. Erschwerend kommt hinzu, dass Rheuma als systemische Erkrankung alle Bereiche des Körpers in Mitleidenschaft zieht. Die rheumatische Arthritis etwa kann Herzinfarkte auslösen, manche Patienten entwickeln Knoten in Haut oder Lunge.

Hörertel.: 00800.4464 4464

sprechstunde@deutschlandfunk.de

 

Zeitfragen. Feature • 19:30 – 20:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Ohne Traute?

Immer weniger Firmengründungen in Deutschland

Von Susanne Arlt

Im Land der Ideen sinkt das Interesse an Firmengründungen – und das seit Jahren. Gründe dafür gibt es zahlreiche. Die einen klagen über zu viel Bürokratie. Die anderen über zu wenig Risikokapitalgeber und zu wenig Risikobereitschaft bei den Banken. Es gibt aber noch einen Grund für die Flaute im Gründungsgeschehen: die gute Konjunktur. Die Deutschen, einst Wegbereiter ganzer Industrien, setzen lieber auf einen festen Job statt auf freien Unternehmergeist. Einziger Hoffnungsschimmer: Gründer mit Migrationshintergrund. Fast jeder fünfte Gründer in Deutschland hat inzwischen ausländische Wurzeln. Entweder haben sie einfach mehr Traute, oder sie haben weniger zu verlieren. Darum wird konsequenter Bürokratieabbau, ein Venture-Kapital-Gesetz, mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf und schon bei Grundschülern das Interesse für mehr Unternehmertum zu wecken, gefordert. Und vielleicht sollten die Deutschen einfach mal umdenken: Scheitern darf kein Makel sein.

 

 

Mittwoch, 14. September 2016

 

Querköpfe • 21:05 – 22:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Kabarett, Comedy & schräge Lieder

Ein Leben ohne Akkordeon ist möglich – aber sinnlos

Frank Grischek amüsiert durch Missmut

Von Rainer Link

Die beleidigte Fresse ist sein Markenzeichen. Kein anderer Musikkabarettist versteht es, so missmutig aus der Wäsche zu schauen wie Frank Grischek. Hat er Gründe? Ja! Er trägt zeitlebens ein zentnerschweres Akkordeon vorm Bauch und muss dauernd der Frage ausweichen: »Akkordeon? Und was machen Sie beruflich?« Mit konstant schlechter Laune belehrt er seine Hörer, dass sie ihre Sicht auf Akkordeonisten, ob die nun in der Fußgängerzone nerven oder das Publikum im Konzertsaal quälen, gründlich überdenken sollten. Unter den Händen des Hamburger Musikers verwandelt sich das ›Klavier für Arme‹ in eine Waffe, mittels derer er die Volksmusikplagen vom Stamme Silbereisen oder Hinterseer massakriert. Grischek entlockt dabei seinem Instrument alles, was zwischen Tango und Musette passt. Keine hausbackene Quetschkommodenmucke, sondern Tastenqualität vom Profi. Frank Grischek straft damit die alte Regel: ›Ein wahrer Gentleman beherrscht das Akkordeon, macht aber keinen Gebrauch davon.‹

 

Hörspiel • 21:30 – 22:30 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Norway. Today

Von Igor Bauersima

Funkbearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer

Mit Fritzi Haberlandt und André Szymanski

Ton und Technik: Alexander Brennecke, Hermann Leppich

DLR Berlin 2001/59’48

Julie und August gehören zur Web-Generation. Sie kennen sich in virtuellen Welten aus, stehen aber dem echten Leben hilflos und überdrüssig gegenüber. A: »Wohin gehen wir denn?« J: »In den Schnee.« A: »Erfrieren?« J: »O.k. Smile.« Alles ist vorbereitet für einen coolen Abgang. Der Flug nach Norwegen, das Zelt auf der Klippe, Schlafsäcke, etwas zu trinken, die Kamera, die die letzten Grüße an Familie und Freunde aufnehmen soll. Aber da ist auch das Polarlicht, das über dem Abgrund erstrahlt. Und wer versorgt den Goldfisch?

 

 

Donnerstag, 15. September 2016

 

Jazzfacts • 21:05 – 22:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Mission: Possible!

Die Kulturvisionen des panamaischen Pianisten Danilo Pérez

Von Karsten Mützelfeldt

Man kennt ihn als herausragenden Pianisten, als Gestalter eines intellektuell geprägten Latinjazz, als Begleiter von Dizzy Gillespie und Paquito D’Rivera und vor allem als Mitglied des Wayne Shorter Quartetts. Weniger bekannt ist, dass Danilo Pérez zu den kulturpolitisch engagiertesten Persönlichkeiten des Jazz zählt. Der heute Fünfzigjährige arbeitet für Organisationen wie UNESCO und UNICEF und wurde zum offiziellen Kulturbotschafter Panamas ernannt. In seinem Geburtsland hat Pérez ein mittlerweile renommiertes Festival gegründet und setzt sich im Rahmen der Fundación Danilo Pérez für die musikpädagogische Erziehung von Kindern ein. Vor fünf Jahren etablierte der inzwischen in Boston lebende Musiker das Global Jazz Institute am Berklee College of Music – Ergänzung und Alternative zum üblichen Lern- und Lehrbetrieb: Ausgehend von einem ganzheitlichen Verständnis geht es nicht nur darum, Brücken zu anderen kreativen Ausdrucksformen zu schlagen, sondern auch gesellschaftliches und ökologisches Bewusstsein zu fördern.

 

Länderreport • 13:30 – 14:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Als die Nachbarn Beifall klatschten

Die Ausschreitungen in Hoyerswerda 1991

Von Thilo Schmidt

Es war das Fanal für viele weitere rassistische Brandstiftungen in den frühen 90er-Jahren: Im September 1991 kam es in Hoyerswerda zu massiven Ausschreitungen gegen Flüchtlinge und vietnamesische Vertragsarbeiter. Zunächst waren es Neonazis, die vietnamesische Vertragsarbeiter angriffen. Was mit Rempeleien auf dem Marktplatz anfing, wuchs sich aus zu einer regelrechten Hatz, die mehrere Tage anhielt. Dutzende Neonazis, Sympathisanten und rechtsgerichtete Jugendliche warfen Steine und Molotowcocktails auf das Wohnheim der Vertragsarbeiter und auf ein Flüchtlingsheim. Die Anwohner schauten zu oder klatschten Beifall. Von den 82 vorübergehend Festgenommenen wurden nur vier verurteilt. Die meisten Vietnamesen aus dem mittlerweile geräumten Vertragsarbeiterwohnheim wurden abgeschoben.

 

 

Freitag, 16. September 2016

 

Das Feature • 20:10 – 21:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Die Küche des Künstlers

Wie Peter Kubelka das Kochen nach Frankfurt brachte

Von Olaf Karnik und Volker Zander

Regie: Hannah Georgi

DLF 2016

Zwischen 1978 und 2000 lehrte der Wiener Experimentalfilmer Peter Kubelka in Frankfurt an der Städelschule ›Film und Kochen als Kunstgattung‹. Berühmt waren seine Kochvorträge, temporären Gasthäuser und gastrosophischen Expeditionen ins Umland. Kubelkas Widerstand gegen die Substanz- und Geschmacklosigkeit einer entregionalisierten Moderne strahlt bis heute auf Frankfurt aus. Seine Schüler gründeten Kochwerkstätten, Cateringunternehmen und temporäre Restaurants. Vom messianischen Starrsinn eines hungrigen Österreichers im Exil profitieren heute die eigensinnigen Akteure der Dienstleistungsmetropole. Ein O-Ton-Feature mit Peter Kubelka, Helke und Thomas Bayrle, Onno Faller, Marie-Theres Deutsch, Arpad Dopriban und vielen anderen Frankfurter Akteuren und Kochkünstlern.

 

Kakadu. Entdeckertag • 15:05 – 15:30 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

»Ein Apfel am Tag …«

Das liebste Obst im Lande

Von Stephanie Menge

Moderation: Paulus Müller

Könige hielten ihn bei Krönungsfeiern in der linken Hand, er half dem Naturforscher Isaak Newton, das Gesetz der Schwerkraft zu entdecken, und inspirierte den Dichter Friedrich Schiller. Schon im Paradies soll der Apfel verführerisch am Baum der Erkenntnis gehangen haben und auch das schöne Schneewittchen konnte seinem Anblick nicht widerstehen. Lange Zeit war das sagenhafte Obst ein Symbol für Reichtum, Verführung und Macht, heute ist der Apfel vielleicht die alltäglichste Frucht im Obstsalat. Angenehm süß oder erfrischend sauer – nirgendwo sonst werden in Europa so viele Äpfel gegessen wie in Deutschland. Die knackige Frucht schmeckt nicht nur lecker, sondern macht fit und gilt sogar als wahres Wundermittel für die Gesundheit. Auf Ertrag gezüchtete Äpfel kennt fast jeder, doch auf Streuobstwiesen wachsen alte Sorten mit märchenhaften Namen und Aromen wie Blutstreifling, Rheinisches Seidenhemdchen und Champagner Renette.

 

 

Samstag, 17. September 2016

 

Klassik-Pop-et-cetera • 10:05 – 11:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Am Mikrofon: Der Komponist und Jazzpianist Florian Ross

Zielgerichtet, konzentriert, den Fokus auf das Wesentliche gerichtet, so wirkt der Komponist, Arrangeur und Jazzpianist Florian Ross. Geboren in Pforzheim, studierte er in Köln, London und New York. Mit seiner vielgestaltigen Kreativität tritt der 44-Jährige in verschiedenen Besetzungen auf. Florian Ross gilt als Meister der Stimmführung und versteht es, Instrumentalstimmen raffiniert miteinander zu kombinieren. Er arbeitete mit Klangkörpern wie dem Metropole Orkest, dem Brussels Jazz Orchestra und dem Vancouver Orchestra. Zeitweise tritt er auch als Gastdirigent in Erscheinung. So leitete er vor kurzem die WDR Big Band bei einer Doppelarbeitsphase mit dem Bundesjazzorchester. Nach vorausgegangenen Aufnahmen mit dem Florian Ross Quintett im Deutschlandfunk Kammermusiksaal spricht der Querdenker Florian Ross dieses Mal als Gastmoderator von ›Klassik-Pop-et cetera‹ über Musik, die ihn auf seinem Lebensweg geprägt und bereichert hat.

 

Feature • 18:05 – 19:00 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

Problemzonen – Der Euro in der Pubertät

Von Mechthild Müser

Regie: Stefanie Lazai

Ton: Andreas Stoffels

DKultur 2016/ca. 54’30

(Ursendung)

15 Jahre gemeinsame Währung. Wie steht es um den Euro? Mit 15 landet doch jeder einmal in der Krise, mit 15 ist man nicht stabil. Soll der Euro nun gekränkt sein, weil nicht alle ihn mögen, weil ein Drittel der EU-Länder ohne ihn auskommt und selbst in Deutschland eine Bewegung wächst, die ihn wieder abschaffen will? Europa, das war einmal eine große Vision, die einheitliche Währung nur ein Schritt in Richtung Zusammenwachsen. Gilt das noch? Wohin führt die Niedrigzins-Politik der EZB? Ist es sinnvoll, nationale Handlungsspielräume aufzugeben, solange die Wirtschaftssysteme nicht angeglichen sind?

 

 

Sonntag, 18. September 2016

 

Freistil • 20:05 – 21:00 Uhr  •  Deutschlandfunk

Mit zweierlei Maß

Von Doppelmoral, Scheinheiligkeit und Heuchelei

Von Johannes Nichelmann

Regie: Thomas Wolfertz

DLF 2016

Hoeneß, Schwarzer, Ullrich – es scheint, als würden vor allem die mit zweierlei Maß messen, die sich besonders als Vorbild gerieren. Und wer ertappt wird, klagt besonders laut, wenn er selbst mehr als eine Moral in Benutzung hat. Der Vorwurf der Doppelmoral kann Karrieren beenden und für immer haften bleiben – obwohl das doppelte Maß allgegenwärtig ist, bis in die Gesetze hinein. Der Mensch braucht offenbar flexible Bewertungskriterien für sich und für andere. Woher kommt die Scheinheiligkeit? Warum ist sie mitunter sinnvoll? Und unter welchen Bedingungen läuft sie aus dem Ruder? Eine Suche nach der Natur der doppelten Moral, bei Heuchlern und Moralinstanzen, Prominenten und Politikern, erzählt anhand spannender Fallbeispiele.

 

Musikfeuilleton • 22:00 – 22:30 Uhr  •  Deutschlandradio Kultur

»… es wird gebeten, während des Concerts nicht zu rauchen«

Das Orchester Berliner Musikfreunde feiert sein 150-jähriges Bestehen

Von Eva Blaskewitz

Es ist das viertälteste Laienorchester Deutschlands und das zweitälteste Orchester in Berlin, nur die Staatskapelle kann auf eine längere Tradition zurückblicken. Beim Blick auf die wechselvolle Geschichte des OBM fallen große Namen wie Joseph Joachim und Sergiu Celibidache ins Auge: Heute ist es aus der Berliner Orchesterszene nicht mehr wegzudenken: als generationenübergreifende Institution, die auch Nachwuchsmusikern ein Podium bietet.

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