Hörfunktipps KW 30 Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen

2016_KW_30_Hörfunktipps

Montag, 25. Juli 2016
Musikszene • 20:10 – 21:00 Uhr • Deutschlandfunk
„Die Magie der leisen Töne“ Das neue Interesse am Lautenspiel
Von Norbert Hornig

Jahrhundertelang erfreute sich die Laute größter Beliebtheit, in der Renaissance galt sie gar als die ›Königin aller Musikinstrumente‹. Ihr Repertoire erreichte immense Dimensionen, es umfasst Bearbeitungen von Vokalmusik und Tänzen, selbstständige Instrumentalmusik oder nur einfache Liedbegleitungen. Im 18. Jahrhundert musste die Laute dann den Tasteninstrumenten weichen und verschwand aus der Musizierpraxis. Erst mit der Alte-Musik-Bewegung und dem Erscheinen überragender Solisten wie Hopkinson Smith, Paul O´Dette oder Edin Karamazov erlebte das Lautenspiel im 20. Jahrhundert eine prachtvolle Renaissance.

Freispiel • 00:05 – 01:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Kurzstrecke 52“ Feature, Hörspiel, Klangkunst
Autoren/DKultur 2016/54’30
(Ursendung)

»Luck just didn’t kiss you hello«
Von Johanna Olausson
Wie soll das Kleine denn heißen?
Das Gewinnerstück beim 7. Berliner Hörspielfestival: Annette, Rolf und der Gesprächsbedarf
Von Christian Berner und Frank Schültge
Text-to-speech auf der Couch.
»Me, my English and all the languages of my life«
Von Anna Raimondo
Wie britisch kann ich klingen?
Neues aus der ›Wurfsendung‹ mit Julia Tieke
Ungewöhnlich und nicht länger als 20 Minuten: Wir stellen regelmäßig innovative, zeitgemäße, radiophone Hörstücke vor.

Zeitfragen. Feature • 19:30 – 20:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Mythen der Prävention“ Woher kommt der Glaube an die Macht der Vorbeugung?
Von Matthias Becker

»Eine Solidargemeinschaft funktioniert nur dann, wenn jeder Einzelne tut, was er kann, um gesund zu bleiben.« Das erklärte vor nicht allzu langer Zeit ein deutscher Bundesgesundheitsminister und legte den Finger auf die Wunde: Tun wir denn wirklich schon genug? Wir sollten doch nicht rauchen. Wir sollten uns doch mehr bewegen und gesünder essen. Mal wieder Yoga machen … Von vielen Seiten wird uns ins Gewissen geredet, durchaus mit Erfolg: Niemals zuvor trieben die Deutschen so viel Sport wie heute. Niemals zuvor gaben sie und ihre Krankenkassen so viel Geld für Vorbeugungsmaßnahmen aus. Möglichst frühzeitig einzugreifen, um Krankheiten zu verhindern, das gilt als der medizinische und gesundheitspolitische Königsweg. Die gängigen Ratschläge sind allerdings geprägt von Halbwissen und Halbwahrheiten. Vor allem überschätzen und übertreiben sie maßlos, was sich durch individuelle Verhaltensänderungen für die spätere Gesundheit erreichen lässt. Ernährungsberater berichten unterdessen von einem neuen Störungsbild: der Orthorexie, dem Zwang, sich gesund zu ernähren. Auch wurden niemals so viele Medikamente eingenommen. Je gesünder die Menschen sein wollen, umso kränker fühlen sie sich.

Dienstag, 26. Juli 2016

Jazz Live • 21:05 – 22:00 Uhr • Deutschlandfunk
Gwilym Simcock: Piano solo
Aufnahme vom 14.8.12 aus dem Kammermusiksaal im Beethovenhaus Bonn

Am Mikrofon: Harald Rehmann
Als ein ›Keith Jarrett im Entstehen‹ wurde er von der Fachpresse schon gepriesen und in einem Atemzug genannt mit Brad Mehldau und Gonzalo Rubalcaba. Und es ist wahr: Mit Gwilym Simcock hat die Jazzlandschaft Europas einen Pianisten, der Technik und Spielgefühl solcherart auf einen gemeinsamen Nenner bringt, dass sich Vergleiche mit den ganz Großen der improvisierenden Tastenkunst aufdrängen. Dabei ist er beileibe kein Nachahmer, sondern verblüfft mit ganz eigener reicher, dabei ökonomisch durchdachter Melodik, mit harmonischem Wagemut und rhythmischer Subtilität – und modelliert einen frischen Pianoklang, in dem gleichsam jeder Ton seine schillernde Präsenz entfaltet.

Länderreport • 13:30 – 14:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Zwei gegensätzliche Seen“ Der Ammersee und das Leipziger Neuseenland
Von Georg Gruber und Ronny Arnold

Der Ammersee vereint vieles in einem: Der drittgrößte See Bayerns ist ein Naturparadies mit einem beeindruckenden Alpenpanorama im Hintergrund. Zugleich wird er als Bauern- und Künstlersee beschrieben. Musiker, Maler und Schriftsteller wie Carl Orff, Georg Baselitz oder Bertolt Brecht haben hier gearbeitet und sich von der Landschaft und dem See inspirieren lassen. Im Gegensatz zur oberbayrischen Idylle am Ammersee ist das Leipziger Neuseenland eine Industrielandschaft im Umbruch. Früher wurde hier Braunkohle abgebaut. Seit der Wende wird das Areal renaturiert. In den ehemaligen Tagebaulöchern sind Seen entstanden oder entstehen noch, die durch Kanäle miteinander verbunden werden sollen. Wenn alles fertig ist, hat der Seenverbund eine Wasserfläche von rund 70 Quadratkilometern.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Musikforum • 22:05 – 22:50 Uhr • Deutschlandfunk
Forum neuer Musik 2016
„Jüdische Identitäten“
Die Musikjournalistin, Ethnologin und Komponistin Brigitte Schiffer
Von Barbara Eckle

Brigitte Schiffer (1909 – 1986) war Komponistin, promovierte Musikwissenschaftlerin, sie war Musikpädagogin, -ethnologin und -journalistin, sie hat in Deutschland, in der Schweiz, in Ägypten und in England gelebt, sprach Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Arabisch, und sie fungierte in Ägypten unter anderem als Ministerialreferentin. Sie war die erste Frau, die bei den Darmstädter Ferienkursen kurz nach deren Gründung einen Vortrag hielt, sie stand mit allen wichtigen Akteuren der Neuen Musik in engem Kontakt, sie war vernetzt in der internationalen Szene wie kaum ein anderer, gewiss wie kaum eine andere Frau. Im Hintergrund stehen eine jüdische Biografie, die Emigration, erst aus Deutschland, dann aus Ägypten, und ein verschüttetes eigenes kompositorisches Werk, von dem nur Teile noch existieren. Darunter ein Streichquartett von 1934, geprägt etwa von Einflüssen ihres Lehrers Heinz Tiessen. Im Rahmen der Berliner Veranstaltungsreihe ›musica reanimata‹ und beim Forum neuer Musik 2016 ›Jüdische Identitäten‹ wurde es wiederentdeckt.

Hörspiel • 21:30 – 22:30 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Maikäferspiritus“ Von Franziska Pfaff
Regie: Fritz Göhler

Mit Anne Wollner, Joachim Tomaschewsky, Ruth Reinecke, Hermann Beyer, Achim Wolff, Joachim Lätsch u.a.
Ton: Heiderose Reichelt
Rundfunk der DDR 1986/51’56
Seit seiner Pensionierung gibt Martin Nachhilfestunden. Er nimmt diese Aufgabe so ernst, dass er unter keinen Umständen die Reise an die See antreten möchte, die die Schule ihm und seiner Frau für sein Engagement in der Nachhilfe geschenkt hat. Martha war nie an der See. Sie hat zu viel Zeit, seit die Kinder aus dem Haus sind. Als Mittel gegen die Einsamkeit hält sie Autos an und lässt sich mitnehmen. Aber die Leute reden hinter ihrem Rücken und schließlich glaubt auch Martin, dass mit seiner Frau etwas nicht stimmt.

Donnerstag, 28. Juli 2016

Marktplatz • 10:10 – 11:30 Uhr • Deutschlandfunk
„Elementarer Schutz“ Haftpflichtversicherung schützt vor dem Ruin
Am Mikrofon: Sandra Pfister

Die Deutschen haben den Ruf, ein vorsichtiges Volk zu sein und gelten deshalb als überversichert. Doch im Fall der privaten Haftpflichtversicherung gilt das nicht: Die braucht jeder, denn selbst kleine Unachtsamkeiten können Schäden auslösen, die den Verursacher im schlimmsten Fall in den finanziellen Ruin führen. Die Haftpflichtversicherung greift, wenn ein Versicherter Schadenersatz zahlen muss. Wie hoch muss der unverzichtbare Grundschutz sein? Was kostet eine gute Haftpflichtversicherung? Welche Deckungssummen sind angemessen? Warum sollten auch Menschen, die seit Jahren versichert sind, ihren Haftpflichtschutz überprüfen? Was macht eine gute Police aus? Wann haftet die Versicherung für Kinder und Tiere? Unter welchen Umständen muss der Kunde trotz Versicherung den Schaden selbst begleichen? Und was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt? Diese und Ihre Fragen beantworten Sandra Pfister und Experten. Hörerfragen sind wie immer willkommen.
Hörertel.: 00800.4464 4464
marktplatz@deutschlandfunk.de

JazzFacts • 21:05 – 22:00 Uhr • Deutschlandfunk
„Musikalische Aussichtspunkte“ Der Pianist Simon Seidl
Von Anja Buchmann

Der gebürtige Ingolstädter Musiker lebt seit seinem vor acht Jahren begonnenen Jazzpiano-Studium an der Kölner Musikhochschule in der Domstadt und ist fest in der hiesigen Szene verankert. Simon Seidl, Jahrgang 1988, spielt in diversen Formationen, etwa der des Saxofonisten Maxime Bender, der Bassistin Hendrika Entzian, des Schlagzeugers Fabian Arends oder des Bassisten Jakob Kühnemann, die er allesamt mit seinem klangfarbenreichen Spiel und differenzierten Anschlag bereichert. Daneben betreibt der junge Pianist seit fünf Jahren auch sein eigenes Trio, mit dem er das Album ›Miradouro‹ (›Aussichtspunkt‹) veröffentlicht hat: Gemeinsam mit Bassist Robert Landfermann und Schlagzeuger Fabian Arends entwickelt er Klänge voll melodischer Schönheit und impressionistischer Harmonie – Musik, die sich unbemerkt zwischen Notiertem und Improvisiertem hin und her bewegt, mal abstrakt, mal konkret, aber immer mit sensiblem Klangempfinden.

Freitag, 29. Juli 2016

Das Feature • 20:15 – 22:00 Uhr • Deutschlandfunk
„Orson Welles. Ein Puzzle“
Von Thomas von Steinaecker
Regie: Claudia Kattanek

DLF 2015
›Rosebud!‹: Es ist eines der großen Rätsel der Filmgeschichte, das letzte Wort des Tycoons Citizen Kane in jenem Film, der regelmäßig an erster Stelle genannt wird, wenn es um Kinoranglisten geht. Zum 100. Geburtstag begab sich der Schriftsteller Thomas von Steinaecker wie der Reporter in Citizen Kane auf die Suche nach den Puzzlesteinchen, deren Gesamtbild das Rätsel Welles erklären könnten. Worin liegt überhaupt das Bahnbrechende an Welles’ Hörspielen und Filmen, die heute ein bedeutungsvolles Raunen umgibt? Ist es gerade jene Masse an Filmschnipseln unrealisierter Projekte, in denen das beispiellos schöpferische Kraftwerk, aber auch die Tragik Orson Welles’ sichtbar wird? Ein biografisches Puzzlespiel mit Stefan Drößler, Senta Berger, Christoph Hochhäusler, Bert Rebhandl, Paul Plamper und anderen.

Zeitfragen. Literatur • 19:30 – 20:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Samba, Chaos und verschmähte Liebe“
Ein literarischer Streifzug durch Rio de Janeiro
Von Tom Noga

Carioca werden die Einwohner Rio de Janeiros genannt. Ein Carioca ist ein wandelnder Widerspruch. Er liebt seine Stadt, die Strände, die Lebendigkeit, die Menschen. Rio ist für den Carioca die schönste Stadt der Welt – da duldet er keinen Widerspruch. Aber im selben Atemzug schimpft er über das Verkehrschaos, gerade jetzt kurz vor den Olympischen Spielen, über die hohen Preise und die allgegenwärtige Gewalt – über die vor allem. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in der Literatur über Rio de Janeiro wider. Tom Noga ist mit drei Schriftstellern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, durch die ›cidade maravihosa‹ gezogen, durch die wunderbare Stadt.

Samstag, 30. Juli 2016

Deutschlandfunk Radionacht • 1:05 – 6:00 Uhr • Deutschlandfunk
Jazz
„Lotosblüten“ Eine Geschichte der Indo-Jazz-Fusionen
Musik von Trilok Gurtu, Joe Harriott, Paul Horn, Zakir Hussain, Vijay Iyer, Zoltan Lantos, Rudresh Mahanthappa, John Mayer, John McLaughlin, Badal Roy, L. Shankar, Ravi Shankar, L. Subramaniam u.v.a.
Am Mikrofon: Karl Lippegaus

Um 1962 begann mit dem Album ›Improvisations‹ von Ravi Shankar die eigentliche Geschichte einer Annäherung zwischen klassischer indischer Musik und Jazz. Für einen Film des legendären Regisseurs Satyajit Ray hatte der Sitarvirtuose mit den Jazzmusikern Bud Shank und Gary Peacock gearbeitet. John Coltrane plante damals, bei Shankar die Raga-Kunst zu studieren. Ein zweiter Meilenstein waren fünf Jahre später die Indo-Jazz Fusions des Altsaxofonisten Joe Harriott. 1975 mündete ein spektakuläres Konzert des Gitarristen John McLaughlin – mit dem Geiger L. Shankar und drei indischen Meistertrommlern – in die Gründung der epochalen Band Shakti. Hierzulande leistete der fantastische Perkussionist Trilok Gurtu eine wahre Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Heute sind es Söhne indischer Emigranten wie der Saxofonist Rudresh Mahanthappa und der Pianist Vijay Iyer, die den weitverzweigten Verbindungen zwischen indischer Musik und Jazz entscheidende neue Wachstumsimpulse geben.

Feature • 18:05 – 19:00 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Herr K.“ Eine Affäre mit dem Sozialamt
Von Inge Braun
Regie: Antje Vowinckel

Mit Bernhard Schütz, Susanne Kliemsch u.a.
RBB/NDR 2015/48’36
Als Empfänger von Grundsicherung im Alter müsste sich Herr K. auf existenziell sicherem Grund wähnen. Doch für ihn tut sich ein Abgrund auf. In die Rolle des Bittstellers gedrängt, fühlt er sich ungerecht behandelt. Als das Amt Sozialleistungen zurückfordert, setzt er sich zur Wehr. Das Feature dokumentiert die jahrelangen Auseinandersetzungen und gibt einen Einblick in das Leben eines Sozialrentners.

Sonntag, 31. Juli 2016

Freistil • 20:05 – 21:00 Uhr • Deutschlandfunk
„Klänge des Grauens“ Musik und Geräusch im Horrorfilm
Von Raphael Smarzoch

Regie: Robert Steudtner
DLF 2013
Musik und Geräuschen wird nachgesagt, die Seele des Horrorfilms zu sein. Durch sie erscheinen Leinwandängste noch furchteinflößender. Dissonanzen, Atonalität und klangliche Experimentierfreude sind die Markenzeichen des Horrorsounds, der sich nicht an konventionellen Hörerwartungen orientiert. Das Fremde und Unheimliche widersetzt sich gängigen Normen. Komponisten suchen es in elektronischen Sounds, vermeintlich unschuldigen Kinderliedern, geistlichen Chorälen, plötzlich und laut einsetzender Musik oder seltsamen Geräuschen, die ein Gefühl von Bedrohung und Terror auslösen können. Die Akustik des Grauens schockiert und traumatisiert, verstört und verunsichert. Sie hat dämonische Qualität und nimmt Besitz vom Zuschauer. Man kann sich ihr nicht entziehen.

Musikfeuilleton • 22:00 – 22:30 Uhr • Deutschlandradio Kultur
„Projekte des Größenwahns“ Musik in Linz während des Nationalsozialismus
Von Bernhard Doppler

Für den symbolischen Pachtzins von einer Reichsmark wurde 1942 das nahe der Stadt Linz gelegene Stift St. Florian, in dem der Musiker Anton Bruckner wirkte, für 99 Jahre an den Großdeutschen Rundfunk verpachtet. Die Mönche hatte man zuvor enteignet. Nach dem ›Endsieg‹, an den man glaubte, sollte in St. Florian ein europäischer Kultursender errichtet werden. ›Musikwerk Weltrundfunk‹ hieß das Projekt. Damit gliederte es sich in die architektonischen Pläne ein, mit denen Adolf Hitler Linz – die Stadt, in der er seine Jugend verbrachte – zum kulturellen europäischen Zentrum machen wollte.

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