Dieter Schnebel, geboren 1930, einer der Protagonisten der Neuen Musik, hat als Auftragsarbeit für den Hessischen Rundfunk und den Westdeutschen Rundfunk sein erstes „Hörspiel“ komponiert: „Hörfunk“ (Radio-Stücke I). Schnebel bemerkt dazu u. a.: „Machten früher einmal Töne die Musik, so hat sie sich inzwischen alles Klingenden bemächtigt. In der jüngsten Musik wird Akustisches jeder Art als kompositorisches Material genommen.

Insofern der Rundfunk aus Informationsbedürfnis und -verpflichtung die Klangwelt, die uns umgibt, auffängt, auch wieder, wenngleich gefiltert, ausstrahlt, ist er eine ausgezeichnete Klangquelle für Neue Musik. Als ebendas ist er in den „Radio-Stücken“ verwendet, und wörtlich genommen, solche bilden das Material der Komposition. Was der Rundfunk produziert, kann wie Musik produziert werden, etwa nach Gesichtspunkten des Tempos, des Klangs und der Spannung. Auch die Produktionsprozesse der blanken Resultate können einbezogen werden und dann Mikrofonproben, stets neue Wiederholungen verunglückter Aufnahmen, vor- und rücklaufende Bänder und dergleichen. Erklingt also nicht nur das geputzte Endprodukt ohne Patzer und Versprecher, sondern auch der Vorgang seiner Herstellung, werden sozusagen die Innereien des Rundfunks hörbar, von denen man sonst nichts vernimmt. Man hört, wie der Rundfunk in sich geht.“

Mit: Cornelia Menzel, Hans Helmut Sievert und Gerd Bollmann.

Regie/Realisation: Dieter Schnebel

hr/WDR 1971

© HR 2, Hörspiel, 2.5.2018

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