Unter Sammlern ist das Album der Heshoo Beshoo Group schon lange so etwas wie der Heilige Gral. Nach fünfzig Jahren wird es jetzt neu veröffentlicht.

Von Detlef Diederichsen

Am 8. August 1969 um 10 Uhr morgens gingen vier Engländer im Londoner St. John’s Wood über einen Zebrastreifen. Ein Fotograf hielt die Szene im Bild fest, und da es sich bei den vier Herren um die seinerzeit berühmteste Popgruppe der Welt handelte und das Foto für das Cover ihres letzten gemeinsam eingespielten Albums verwendet wurde, errang es in kürzester Zeit Ikonenstatus.

Ein paar clevere Design­entscheidungen trugen womöglich das Ihre dazu bei: Auf der Vorderseite des Covers verzichtete man revolutionärerweise – und gegen den eindringlichen Hinweis der Plattenfirma, dies würde die Verkaufszahlen erheblich senken – komplett auf Schrift. Erst auf der Rückseite las man: „Beatles“ und „Abbey Road“.

So wurde quasi nochmals das ein paar Jahre zuvor von John Lennon geäußerte Statement untermauert, die Beatles seien berühmter als Jesus Christus. Es führte außerdem die betonte No-Frills-Ästhetik fort, mit der die Beatles nach ihrem in seiner Pracht und Fülle von Details und Verweisen ebenfalls ikonischen „Sgt. Pepper“-Cover ihre Musik verpackten. Nach der ganz in Weiß und ohne Fotos gehaltenen Hülle des namenlosen ­Doppelalbums von 1968 nun also die lässige Alltäglichkeit eines Londoner Sommertags. Normal.

1970 erschien das Album „McLemore Avenue“ des US-R&B-Instrumentalquartetts Booker T. & The M.G.’s, das Coverversionen sämtlicher Songs des „Abbey Road“-Albums enthält. Auch das Cover war ein Cover: Die vier Musiker überquerten wie die Beatles die Straße, an der das Aufnahmestudio lag, in diesem Fall die McLemore Avenue in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee.

© TAZ, Kultur, 20.11.2020

2 Comments

  1. Text und Cover sind nur sehr lose verbunden, oder? Von der Musik wird hier gar nicht gesprochen… ABer auf Bandcamp gibts mehr:

    „With a unique sound founded on a persuasive mix of American and African jazz, Armitage Road, originally released in 1970, was the only studio recording released by South Africa’s Heshoo Beshoo Group. As a highly prized collector’s item, a re-issue and re-appraisal of this lost gem from the apartheid era has been long overdue. Heshoo Beshoo loosely translates from the inter-tribal lingo of the townships as either ‘going by force’, or ‘moving with force’. That is certainly the case here. With its undeniably funky element Armitage Road combines graceful and moving playing with invention and passion, and it does not disappoint from start to finish.

    The album artwork was inspired by The Beatles „Abbey Road.“ It acted as a critique of the social conditions in South Africa at that time without overtly mentioning Apartheid and running the risk of being banned. The cover shows Cyril Magubane, who had suffered from polio as a child crossing the road in his wheelchair magnifies the difference between the world of “Armitage Road” and that of “Abbey Road.“

    The album had a limited released in South Africa and France. It has long been a coveted release of collectors and jazz enthusiasts alike. The album has been remastered from a pristine copy of the French release, with updated artwork that pays tribute to the original imagery and text.“

    https://wearebusybodies.bandcamp.com/album/heshoo-beshoo-group-armitage-road

    Lucky
    1. Ich versteh deinen Einwand nicht. Die Links zu den Informationen von TAZ und Bandcamp sind vorhanden. Wer Interesse hat, wird sich dann weiterwenden und so ist es gedacht.

      portfuzzle

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