Die Kunstmärchen von Hans Christian Andersen sind Revolten gegen die Pädagogik seiner Zeit, aber auch gegen Anpassung und Entfremdung. Sie sind dicht und atmosphärisch erzählt – anders als die harten, holzschnittartigen Volksmärchen der Gebrüder Grimm.

Von Markus Metz und Georg Seeßlen

„Nun seht, jetzt geht es los. Wenn wir am Ende der Geschichte sind, wissen wir mehr als zu Beginn. Denn es war ein böser Zauberer, es war einer der allerschlimmsten, es war der leibhaftige Teufel. Eines Tages war er in der köstlichsten Laune, denn er hatte einen Spiegel vollendet, der die Eigenschaft besaß, alles Gute und Schöne, das sich darin spiegelte, fast zu nichts zusammenschrumpfen zu lassen, während das, was nichts taugte und sich schlecht ausnahm, recht deutlich hervortrat und noch schlimmer wurde. Die herrlichsten Landschaften sahen darin wie gekochter Spinat aus, und die besten Menschen wurden hässlich oder standen ohne Körper auf dem Kopf.“

So beginnt eines der berühmtesten Märchen des Hans Christian Andersen, „Die Schneekönigin“ – und schon der erste Absatz enthält fast alles, was seine Kunst ausmacht: den Trick, uns zu Komplizen der Erzählung zu machen, die Verbindung von mündlicher und literarischer Sprache, das  Verschwinden und Wiederauftauchen, den satirischen Grundgedanken der Verzerrung. Natürlich: die Spannung und den Schauder. Und das Bereiten der Bühne für den Auftritt der Helden….

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© Deutschlandradio Kultur, 2.12.2016

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