„Haltet die Eisschranktür geschlossen“ Ein Hörspiel über Wort- und Virusmutationen

„Wenn man bedenkt, dass sich Geisteskrankheiten heute wie ein Lauffeuer über die sozialen Medien verbreiten, muss ich zustimmen“, sagt Hörspiel-Autor Matt Wand zu diesem Burroughs Zitat. Ein hervorragendes und erschreckendes Beispiel sind die letzten vier Jahre der Trump Präsidentschaft in den USA, die zu den jüngsten Ereignissen am Capitol in Washington führten.

Selbstverständlich ist die Virusforschung im Moment in aller Munde. Einschließlich der Diskussionen darüber, ob das SARS-CoV-2 Virus zoonotischen Ursprungs ist oder versehentlich aus einem virologischen Labor entwichen ist. Letzteres Szenario genießt vielleicht weniger „Glaubwürdigkeit“, da es auf seine eigene virale Art und Weise im World Wide Web zirkuliert und oftmals von Spinnern und Rassisten verwendet wird, die in der viralen Wortsuppe der „sozialen Medien“ schwimmen. Möglicherweise aber auch, weil es ein so schrecklicher Gedanke ist.

Die zirkulären Verbindungen und viralen Parallelen zwischen Wörtern und Bioorganismen sind für Matt Wand zu groß, um sie zu ignorieren. Beides scheint ihm sich in unserem kollektiven Bewusstsein gerade am Siedepunkt zu befinden. Matt Wand beschloss, sich ins Labor zu begeben, um einige chimäre Wortviren selbst zu erschaffen. Er „klont“ Fragmente aus den Worten von Wissenschaftlern und Journalisten beider Szenarien, setzt diese als Basisgenome ein und wendet „serielle Übertragungsverfahren“ an, die in etwa den alten Cut-up/Fold-in-Tonband-Experimenten von William S. Burroughs entsprechen – nur mit moderneren technischen Mitteln.


Haltet die Eisschranktür geschlossen – Ein Hörspiel über Wort- und Virusmutationen von Matt Wand

Mit: Lena Drieschner

Ton und Technik bei den Sprachaufnahmen: Wolfgang Rein und Bettina Krol
Komposition und Realisation: der Autor
(Produktion: SWR 2021)

© SWR 2, ars acustica, 2.3.2021

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