Seit den späten 1960er Jahren hat sich der britische Pianist Keith Tippett als einer der wichtigsten und einflussreichsten Vertreter einer eigenständigen europäischen Improvisationskultur profiliert. Ob mit seinen Solo-Aufnahmen, im Duo mit der Sängerin Julie Tippetts, dem Mujijan-Ensemble oder den Großprojekten Centipede oder Ark: Das Spektrum seiner musikalischen Ideen und Möglichkeiten ist enorm, seine Klangsensibilität außergewöhnlich.

Dem 1947 in Bristol geborenen Pianisten ist die Dramaturgie des Leisen mit den unendlich feinen Klangabschattungen, dem Spiel mit der Klavierpräparation ebenso vertraut wie die prägnanten, eruptiv gesetzten Akzente, deren Energie in seiner Musik immer gebändigt und zielgerichtet erscheint. Die Sendung zeichnet Tippetts Entwicklung nach, wobei klar wird, dass der Pianist sich immer sein eigenes Terrain bewahrt. Selbst in einem eher vom britischen Art-Rock-dominierten Kontext wie etwa bei der Band King Crimson. Berührungsängste pflegte er nicht: der freie Jazz, die beginnende Minimal Music, die Rockmusik. Sie alle lieferten Ideen, Einflüsse, Formeln oder Klangerfindungen, die für Tippett als Spielmöglichkeiten nutzte: als Zitat, Anspielung, Vorlage zur Ironisierung oder einfach als Inspiration. Jeder Versuch, ihn zu vereinnahmen, muss notwendigerweise zum Scheitern verurteilt sein.


© WDR 3, Jazz, 8.3.2014

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