„Ich habe oft den Gedanken gehabt, meiner Mutter das Messer zwischen die Rippen zu stoßen“, sagte sie unvermittelt. Sie war eine sanfte kluge Person. Wir kannten uns seit Kindertagen.

Die Mutter war seit Jahren tot und war mir als liebevoll und großzügig in Erinnerung. Jeder, rief die Freundin, könne unter bestimmten Umständen zum Mörder werden. Jeder? Ich beschloss, dieser Behauptung nachzugehen.“

Gespräche mit langjährig einsitzenden Mördern und Mörderinnen über Leben und Tat zeigen, wie dünn der Firnis der Zivilisation über den gewalttätigen Anteilen in uns ist. Es scheint, dass man Glück braucht, um ein vernünftiges Leben zu führen, und dass die Umstände, die zu einem nicht wieder gutzumachenden Verbrechen führen, meist im Dickicht der Lebensgeschichte zu finden sind.

Drei von zwölf Täterbiografien werden hier stark gekürzt thematisiert. In voller Länge sind sie im Buch der Autorin „Nachmittage mit Mördern“ zu finden.

Manuskript PDF

© SWR 2, Essay, 8.10.2018

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