Anne Will tut es, die Dudenredaktion ist nicht abgeneigt, aus „meine Damen und Herren“ wird „liebes Publikum“, immer öfter hören wir diese kleine, charakteristische Pause mitten im Wort: Das Gendern, wie es umgangssprachlich heißt.

Der veränderungsfreudige Umgang mit der Geschlechtergrammatik, erreicht eine breitere Öffentlichkeit. Manche finden das überfällig, andere abscheulich, viele verunsichernd.

Warum fühlen sich Frauen bei „liebe Zuhörer“ nicht mehr mitgemeint? Wie soll das Sternchen über die Lippen kommen? Und was ist mit Menschen, die sich nicht als „er“ oder „sie“ verstehen und für die es seit 2018 einen amtlichen Personenstand gibt? Heißt das dann sier, ex, they und hen? Wird das nicht zu kompliziert, zumal es ja auch den Wunsch nach nicht rassistischem und nicht behinderndem Kommunizieren gibt? Was ist mit Sprachfluss und intuitiver Verständigung, wenn neue Regeln Fallstricke spannen, über die nicht nur hardcore-Traditionalist*innen stolpern?
Gibt es ein aufmerksames, möglichst vielen Menschen gerecht werdendes Sprechen ohne Verkrampfung, Verlegenheit und Stress? Aber ja, sagt diese Sendung. Es geht nicht um Zwänge, sondern neue Ideen und Gewohnheiten. Sprache verändert sich, das hat sie immer schon getan. Wie, warum und wohin, das bespricht Sabine Rohlf in ihrem Essay.



© Bayern2, Nachtstudio, 8.12.2020

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.