Alexander von Schlippenbachs Solo-Album „Slow Pieces for Aki“ ist eine Suite aus 21 Kompositionen, die von etwas erzählen, von dem man sich wünscht, es möge immer weiter gehen. Von Hans-Jürgen Linke

Vielleicht nicht für immer und ewig, aber bitte doch länger als diese eine CD. Natürlich klappt das nicht, das wäre ja Unsinn und viel zu viel verlangt, eher ein Märchen als eine satisfaktionsfähige Erzählung. Trotzdem: schade, dass die Musik dann doch zu Ende ist, so plötzlich, wie sie begonnen hat.

Es sind die klar formulierten initialen Einfälle, es ist dieser tastende, aber nie suchende Gestus der Durchführungsarbeit, die diskret beharrlichen, variierenden Akkord-Findungen und -Wiederkehren, die Sorgsamkeit in der Anschlagskultur, die Strenge und Ökonomie der Erzählweise bei einem von scheinbar keiner äußerlichen Regel begrenzten Tonvorrat, die dieser Musik Schlippenbachs eine eigentümliche Transzendenz verleihen. Und die gerät einfach mit der technisch bedingten Begrenztheit einer CD in Konflikt.

© Frankfurter Rundschau, Kultur, 21.10.2020

released October 16, 2020

All compositions by Alexander von Schlippenbach. Recorded November 4, 5, 2019, at Radio Studio 1 Zürich by Michael Brändli in cooperation with Radio SRF 2 Kultur. Mixed and mastered May 2020 by Michael Brändli at Hard Studios Winterthur. Calligraphy: Aki Takase. Graphic design: Jonas Schoder. Photo: Francesca Pfeffer. Liner notes: Bert Noglik. Produced and published by Intakt Records, Patrik Landolt, Anja Illmaier, Florian Keller.

Alexander von Schlippenbachs Solo-Album „Slow Pieces for Aki“ ist eine Suite aus 21 Kompositionen, die von etwas erzählen, von dem man sich wünscht, es möge immer weiter gehen.
Der Pianist, zwei Tage im Studio, allein am Klavier. Klausur in Zürich. Konzentration auf das Jetzt, die Aufnahme läuft. Vorbereitungszeit für die neuen Kompositionen: circa ein Jahr. Einstimmung auf die Musik: ein Leben lang. Alexander von Schlippenbach, «Slow Pieces For Aki», die Betonung liegt auf dem Wort «slow», nicht auf der Wieder-, sondern auf der Neuentdeckung der Langsamkeit – gewidmet seiner Frau, der Pianistin Aki Takase.
Bei langsamen Stücken, kurzen Stücken, Kompositionen, bei denen jeder einzelne Ton ein Höchstmass Zuwendung erfahren soll, verlagert sich die Virtuosität vom Technischen auf das Inhaltliche, die Vermeidung alles Unnötigen. Töne, die im Dunkeln zu leuchten vermögen und sich zueinander gruppieren wie Sternzeichen. Nicht nur Jazz und Neue Musik scheint da von fern her auf, auch Klassisches und Romantisches, immer reflektiert durch die Persönlichkeit, die Lebens- und Spiel­erfahrung von Alexander von Schlippenbach.
Auf der Ebene subjektiver Wahrnehmung würde ich es wagen, von einem ernsten Lyrismus zu sprechen. Langsam, voller Leidenschaft und erfüllt von der Hingabe an die Musik.

Bert Noglik, Liner Notes

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