Können sich Impressionismus und Expressionismus vereinen? Heute – ja! Wie in einer kosmischen Kernschmelze lässt die französische Komponistin Florentine Mulsant beide Strömungen aufeinanderstoßen. Mit ungeheurer Wucht und einem farbigen Funkenregen formt sie daraus ihre eigene, neue Musiksprache. 

Eine Sprache, die uns wie eine vertraute Hand auf der Schulter liegt und uns dabei von hinten ins Unbekannte stupst. Zarte, feine Gesten, die farbig im stillen Licht schweben, erwarten uns dort. Explosionsartig schießen Eruptionsnebel in die Höhe und lassen das Gefühl für Zeit verblassen. Wie die 1962 im Senegal geborene Französin die Logik ihrer Werke entspinnt, ist ein Rätsel. Claude Debussy, Maurice Ravel, Olivier Messiaen und Henri Dutilleux nennt sie als die Komponisten, die sie am meisten beeinflusst haben. Ihr Oeuvre umfasst heute fast neunzig Werke, vom Solostück über Kammer- und Orchesterwerke bis hin zur Vokalmusik. Letzten Dezember wurde ihr als erster Komponistin überhaupt der Grand Prix der Sacem, der französischen GEMA, für ihr Lebenswerk verliehen. Julia Schölzel hat mit der Komponistin gesprochen und führt durch den rätselhaften Sternengarten ihrer Neuschöpfungen.

© BR Klassik, Horizonte, 2.6.2020

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