Die Stimmung in der deutschen Filmkultur fassen drei Sätze zusammen: So kann es nicht weitergehen. Aber so geht es weiter. Und es wird noch schlimmer. Eine Abrechnung.

Es ist ein Leichtes, an der deutschen Film- und Kinokultur zu verzweifeln. So viel Mut- und Belanglosigkeit! So oft sitzt man im Kino und denkt: Verdammt, hätte man hier nicht mehr riskieren, hier weniger Drehbuchsätze aufsagen, hier genauer hinschauen können? Warum trauen sich denn keine und keiner was? Wenn man mit der Arbeit der Filmemacherinnen und Filmemacher in Deutschland ein wenig vertraut ist, denkt man außerdem: so viele große Ideen und gute Projekte, die entweder im Vorfeld der Förderungen und Produktionen nach dem Film-Fernseh-Abkommen scheitern oder auf dem Weg vom Entwurf zur Realisierung Saft und Kraft, Freiheit und Rebellion verlieren!

Am Anfang hätte ein Film entstehen können, vielleicht, doch herausgekommen ist dann der cineastische Magerquark eines illustrierten Skripts. Bevor nämlich ein Drehbuch in der deutschen Förder- und Fernsehmaschine endlich realisiert werden kann, haben ungefähr so viele Leute hineingeredet wie Lobbyisten bei einem Berliner Gesetzentwurf. Und damit nicht genug: Das Drehbuch wird in diesem System zur Referenzgröße, hinter dem der eigentliche Prozess des Filmemachens zurücktreten muss. Als würden die größten Filmideen nicht diejenigen sein, die in gar kein Drehbuch hineinpassen. Jeder einzelne der Filme, die einst den Neuen Deutschen Film so aufregend gemacht haben, würde heute nicht mehr zustande kommen können.

Um die Stimmung in der deutschen Filmkultur zusammenzufassen, genügen drei Sätze: So kann es nicht weitergehen. Aber so geht es weiter. Und es wird noch schlimmer.

c © Zeit Online, Kultur, 10.9.2020

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