Der aus Spanien stammende José Luis de Delás gilt vielen als musikalischer Geheimtipp. Am 21. September ist er 90-jährig in Bornheim bei Köln gestorben.

Von Heinz-Klaus Metzger

Der Aspekt des Politischen war für José Luis de Delás keine Attitüde. Komponieren war für ihn eng mit einem sittlichen Interesse verbunden, welches sich in der Suche nach einem authentischen musikalischen Ausdruck jenseits postmoderner Moden ausdrückt. 1928 in Barcelona geboren, hatte José Luis de Delás die schrecklichen Ereignisse der Franco-Diktatur und die erdrückende politische Atmosphäre der Zeit nach dem Spanischen Bürgerkrieg miterlebt, bevor er 1949 erstmals in das Deutschland der Nachkriegszeit zog. Dem literarisch vielseitig gebildeten Komponisten ging es auch in seiner Musik immer um das Erlangen und Erweitern jener Entscheidungskompetenz des Einzelnen, die den eigentlich politischen Sinn nicht nur von Musik darstellt. Delás hatte sich immer zu jener avancierten Musik hingezogen gefühlt, die sich geschichtlich definiert und jenseits der Indifferenz postmoderner Ideologie einer aufklärerischen und emanzipatorischen Tradition folgt. Dass er dabei gegen jede Art von Dogma Widerstand geleistet hat, hat ihn auch zu einem ernsthaften Kritiker in den eigenen Reihen gemacht. Doch war es gerade dieser kritische Ansatz, der die eigene fortwährende Suche nach einer authentischen Klangsprache überhaupt erst ermöglichte.


© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 27.9.2018

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