Mit 13 Jahren war Achim Schmid Skinhead, spielte Rechtsrock, mit 17 trat er der NPD bei, übersetzte Hass-Pamphlete von Blood & Honor und Combat 18 ins Deutsche. Mit 25 gründete er den Ku-Klux-Klan in Deutschland. Dann brach er plötzlich alle Kontakte ab. Er hatte vor sich selbst Angst bekommen und die Notbremse gezogen.

„Jeden zu hassen ist extrem anstrengend, raubt einem alle Lebensfreude.“ Doch seinen Neustart nahm ihm in Deutschland niemand ab. Man begegnete dem Ex-Neonazi mit Misstrauen. Geschäftspartner wandten sich ab, sobald sie von seinem Vorleben erfuhren.

Begeistert von der R&B-Szene in Memphis zog er in die Stadt am Mississippi, lebt seither inmitten der afroamerikanischen Community, engagiert sich in diversen sozialen und Aussteigerprojekten, freundet sich mit einem Rabbi an.

Erst bei der deutschen Aussteiger-Organisation „Exit“ stößt er auf offene Ohren, findet endlich Gesprächspartner, die er sich viel früher für seinen Ausstieg gewünscht hätte. „Selbst Rechtsextreme haben Zweifel. Wer sie aus der Szene rausholen will, sollte ihnen dann auch eine Chance geben“, sagt er heute.

„Wer spricht schon mit einem Neonazi?“
Von Sabine Adler

Regie: Beate Ziegs
Es sprachen: Birgitt Dölling, Manuel Harder, Romanus Fuhrmann, Wolfgang Condrus, Torsten Föste und die Autorin
Ton und Technik: Hermann Leppich und Christoph Richter
Redaktion: Wolfgang Schiller
Produktion: Dlf 2020

Sabine Adler, geboren 1963 in Zörbig, war von 1999-2004 Deutschlandfunk-Korrespondentin in Russland, von 2007-2011 Leiterin des Hauptstadtstudios, danach Osteuropakorrespondentin. Heute leitet sie den Reporterpool. 2018 erschien ihr Buch „Weiterleben ohne Wenn und Aber“ über die Auschwitz-Überlebende und Psychologin Giselle Cycowicz, die noch immer Holocaust–Überlebende therapiert.

© Deutschlandfunk, Feature, 26.5.2020

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