Ein Afrikaner als Hauptmann von Köpenick? Unmöglich! Erinnerung an den Nationalsozialismus? Nestbeschmutzung! Homosexuelle auf der Bühne? Missbrauch öffentlicher Mittel! „Kunst und Wissenschaft sind frei“, steht in Artikel 5 des Grundgesetzes. Dort ist auch die Meinungsfreiheit garantiert, die Rechtsextreme gegen Andersdenkende nutzen.

Rechtspopulisten fordern, dass aus der deutschen Kultur verschwinden soll, was nicht ihren nationalen Werten entspricht. Was nicht ins ‚völkische‘ Weltbild passt, wird infrage gestellt und angegriffen. Rechtspopulisten verstehen Kultur mehr und mehr als politische Kampfzone. Sie stören Theatervorstellungen, verbreiten Hassmails, stellen rassistisch motivierte Anfragen in Parlamenten oder versuchen, Kultureinrichtungen den Geldhahn abzudrehen.

Seit 2016 sind in Deutschland über 40 solcher Fälle aktenkundig. In Berlin wollte die AfD die Etats von drei missliebigen Theatern kürzen – darunter den des Friedrichstadt-Palastes. Zuvor hatte Intendant Berndt Schmidt der AfD vorgeworfen, eine ausländerfeindliche Stimmung gegen sein multikulturelles Ensemble zu schüren und ein Klima der Angst zu verbreiten. Im Stuttgarter Landtag verlangte man eine Offenlegung der Staatsangehörigkeit von Künstlern an Opernhäusern und Theatern Baden-Württembergs. In Sachsen-Anhalt forderte die AfD im Landesparlament „die Vermittlung nationaler Identität“ als Aufgabe des deutschen Theaters … Wohin führt das alles?

Rechte Kulturstörung
Eine Bestandsaufnahme
Von Agnes Steinbauer

Regie: Claudia Kattanek
Es sprachen: Svenja Wasser, Stefko Hanushevsky und Marc Fischer
Ton und Technik: Hendrik Manook und Kiwi Eddy
Redaktion: Ulrike Bajohr
Produktion: Dlf 2020

© Deutschlandfunk, Feature, 24.1.2020

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