Nach dem frühen Tod ihrer Tochter fragt Anna Enquist: Lassen sich solche Verluste bewältigen oder ist es besser, sie zu verdrängen? Zwischen Aufarbeitung und Betäubung erkundet die Schriftstellerin und Pianistin die Rettungsleinen der Seele. Können Romane, kann auch die Musik die schmerzhaften Verwerfungen des Lebens lindern?

Enquists Geschichten zeigen, dass es keine verbindlichen Antworten auf diese Fragen gibt. Nicht zuletzt durch die Erfahrung als Psychoanalytikerin gelingt es ihr, das Taumeln ihrer Figuren zwischen Hilflosigkeit und Lebensmut realistisch und bewegend zu beschreiben.

Für die ausgebildete Konzertpianistin ist Musik ein Schlüssel, um den Schmerz zu mildern. „Durch das Klavierspiel baute sie einen wackligen Steg, der es zumindest erlaubte, inmitten der Verwüstung umherzugehen und das lädierte Gebiet zu besichtigen“, schreibt Enquist in dem Roman ,Kontrapunkt’. In dessen 32 Kapiteln verbindet sie Gedanken über die 32 Teile der Bachschen Goldberg-Variationen mit Erinnerungen an ihre Tochter bis zu deren Tod.

Anna Enquist zählt zu den bedeutendsten niederländischen Autorinnen und Autoren der Gegenwart. Burkhard Reinartz hat die Schriftstellerin in Amsterdam getroffen und mit ihr über die Spannung von Literatur, Musik und menschlicher Psyche gesprochen.

Manuskript PDF

„Ich trage ein Kleid aus Eis“
Die niederländische Schriftstellerin Anna Enquist
Von Burkhard Reinartz

Regie: der Autor
Es sprachen: Susanne Barth, Anja Lais und der Autor
Ton und Technik: Oliver Dannert und Thomas Widdig
Redaktion: Ulrike Bajohr
Produktion: Dlf 2020

© Deutschlandfunk, Feature, 28.2.2020

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