Zunächst ein Witz: „Mister Wonder, macht es Ihnen eigentlich etwas aus, dass Sie blind sind?“ – „Nein. Hauptsache, ich bin kein Schwarzer.“ Es war absehbar, dass der von einer fehlerhaften Sauerstoffbehandlung gleich nach seiner Geburt am 13. Mai 1950 in Saginaw, Michigan, Erblindete, falls er Musiker werden wollte, dies in der Ray-Charles-Pose tun würde.

Mit vier Jahren, zu der Zeit, als der Soul und der Rock ’n’ Roll Gestalt annahmen, sang er im Kirchenchor; mit neun konnte er Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug spielen; als Motown-Gründer Berry Gordy den Elfjährigen vorspielen ließ, engagierte er ihn sofort. Und so begann die Geschichte des größten Junggenies, das die Popmusik je gesehen hat.

Aufgrund des Tempos, in dem sich Stevie Wonders Entwicklung vollzog, war es gar kein langer Weg vom zwölfjährigen, noch halb in der Glenn-Miller-Ära steckenden Schmalzbubi, der auf seinen ersten, mit Big Band orchestrierten Platten dermaßen zart und sentimental sang, dass man ihn fast als den amerikanischen Heintje bezeichnen könnte, bis zum Maß wirklich aller Popdinge in den Siebzigern, als das er ewig gelten wird…

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© FAZ, Kultur, 13.5.2020

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