Er galt als Wunderkind und spielte später eine der meistverkauften Platten der Jazzgeschichte ein. Dem Pianisten Ahmad Jamal, der das Understatement pflegt, zum neunzigsten Geburtstag.

Es war wohl eine der skurrilsten künstlerischen Demonstrationen, die New York erlebt hat: Am 7. Juli 1973, als sich eine wie stets illustre Gesellschaft zur Carnegie Hall aufmachte, um einem Stelldichein der größten lebenden Jazzpianisten – von Eubie Blake bis Bill Evans – beizuwohnen, hielt an der Ecke 57. Straße, 7. Avenue ein einsamer Mann ein Pappschild in die Höhe, auf dem das ganze Ausmaß des künstlerischen Skandals zusammengefasst war: „Eine Nacht des Klaviers ohne Ahmad Jamal? Das Watergate der Musik!“

Ob der Protestler viele Gleichgesinnte unter den Konzertbesuchern rekrutieren konnte, ist nicht überliefert. Immerhin hat seine Aktion Eingang in die Anekdotenschatzkammer des Jazz gefunden. Der seinerzeit so schnöde übergangene Jamal reagierte fast vier Jahrzehnte später ausgesprochen souverän und nur mit Achselzucken: „Ich habe so oft in der Carnegie Hall gespielt, das erste Mal 1952 gemeinsam mit Duke Ellington und Louis Armstrong, dann mit Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Stan Getz. Im nächsten Jahr gibt es dort ein Programm mit McCoy Tyner, Dave Brubeck und mir.“

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© FAZ, Kultur, Musik, 2.7.2020

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