Essay „Eros als Staatsmann“ Homosexualität und Politik bei Thomas Mann und Stefan George

Homosexualität als einigendes Band der Gesellschaft? Als Fundament der Demokratie? Diese heute seltsam erscheinenden Denkmodelle waren Thomas Mann und Stefan George nicht fremd.

Von Manfred Koch 

1922 bekannte sich Thomas Mann in seiner Rede „Von deutscher Republik“ erstmals öffentlich zur Demokratie. Ungewöhnlich deutlich sprach er sich dabei gegen „den Bann von Verruf und Verleugnung“ aus, der auf der Homosexualität laste. Der Homoerotik traute Mann sogar eine staatstragende Rolle zu: sie sollte das einigende Band der Gesellschaft sein und auf der Gefühlsebene den sozialen Zusammenhalt der Bürger sichern.

Manns Versuch, die gleichgeschlechtliche Liebe zum Fundament derDemokratie zu erklären, war das Gegenmodell zu den autokratischen Männerbünden der Weimarer Republik – vor allem zum „Staat“ seines großen, ihm in vielem verwandten Antipoden Stefan George.

 

Manuskript PDF

© SWR 2, Essay, 21.10.2019

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