„Es muss etwas passieren. Sonst gehen alle pleite“

Sechs Monate ohne Popkonzerte: Auch das ist ein Effekt der Corona-Pandemie. Drei Menschen aus der Live-Branche berichten von ihren Erfahrungen und Zukunftsaussichten. Von Daniel Gerhardt

Der Effekt war täuschend echt, zumindest phasenweise. Am 29. August stand die Rapperin Megan Thee Stallion, gemeinsam mit Cardi B verantwortlich für den Sommerhit Wap, endlich wieder auf der Bühne. Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie und auch zum ersten Mal, seit ihr ein anderer Rapper im Juli mutmaßlich mehrere Schussverletzungen zugefügt hatte. Die Show war zugleich angelegt als Krönungszeremonie für eine der wenigen Rapgewinnerinnen des Jahres und als Rückkehr zur Popstar-Normalität. Vor Pyrotechnik und Videowänden trat Megan Thee Stallion auf, in zahlreichen Outfits, flankiert von bis zu sechs Tänzerinnen.Fast hätte man über all den Bühnenbetrieb vergessen können, dass die Künstlerin aus Houston durch eine leere Halle rappte und turnte.

Ein Ticket hatte man zwar kaufen müssen, um dabei zu sein. Dieses aber ermöglichte lediglich den Zugang zu einer zeitversetzt ausgestrahlten Konzertaufzeichnung. Schon im Juli hatte Nick Cave auf ein ähnliches Modell zurückgegriffen und, verschanzt hinter Flügel und Notenblättern, ein menschenverlassenes Großraumkonzert gespielt. Die schottische Erfolgsrockband Biffy Clyro war lauffreudiger: Sie gestaltete das virtuelle Wiegenfest ihres neuen Albums als Triumphzug durch die Innenstadt von Glasgow.

© Zeit Online, Kultur, 21.9.2020

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