Erste Folge kurzer Hörstücke von Gerhard Rühm

„Das ’neue‘ Hörspiel hat das ‚alte‘, das sich noch ausschließlich als ein illusionistisches Rollenspiel verstand, auf konkrete Schallereignisse im weitesten Sinn – seien es nun künstlich im Studio erzeugte oder dokumentarische – ausgedehnt; vielleicht sollte man daher besser von Hörstücken sprechen.

Mit diesem Begriff wäre auch angedeutet, dass es sich nicht mehr nur um Schallereignisse von einer gewissen Mindestlänge handeln muss (was bisher stillschweigend auch das „neue Hörspiel“ voraussetzte), sondern dass auch die „Dauer“ eines Hörstückes keiner Konvention mehr folgt. Prägnanz und Ökonomie der Mittel sind Grundprinzipien der sogenannten „konkreten Poesie“, die das neue Hörspiel wesentlich mit konstituiert hat.

In dieser Folge von Hörstücken handelt es sich zumeist um solche, deren auffällig gemeinsames Merkmal ihre Kürze ist (als extremste Reduktionsstufe erscheint eine Folge einzelner Schallereignisse, die nur aus „Momenten“ besteht – akustische „Schnappschüsse“, aus isolierten Jetzts). Dabei werden verschiedene Formen und Produktionsweisen vorgestellt: Komponierte und vorgefundene Schallereignisse, manipulierte und natürliche. Bevorzugtes Grundmaterial ist die menschliche Stimme.“ [Gerhard Rühm]

Regie: Gerhard Rühm
hr/BR 1973

Gerhard Rühm, geboren 1930 in Wien, studierte Klavier und Komposition an der Wiener Musikakademie, danach privat bei Josef Matthias Hauer, und beschäftigte sich während eines längeren Aufenthalts im Libanon mit orientalischer Musik.
In den 1950er und 1960er Jahren war er überwiegend literarisch tätig und wurde zuerst durch Buchveröffentlichungen experimenteller Poesie bekannt. Von Anfang an intermedial orientiert, entwickelte er Dichtung vor allem in Grenzbereichen weiter – sowohl zur Bildenden Kunst als auch zur Musik. Sein Wirkungsbereich umfasst literarische und musikalische Publikationen, Vorträge, Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen und Rundfunkproduktionen. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Karl-Sczuka-Preis 1977, Hörspielpreis der Kriegsblinden 1983). Er lebt in Köln und Wien.

© HR 2, Hörspiel, 9.5.2018

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