Elliott Carter über die Musik der Zukunft „Das wirklich Interessante liegt in der inneren Organisation“

Elliott Carter gilt als der europäischste aller amerikanischen Komponisten. Seine Musik ist stark von seinem philosophisch-literarischen Interesse und musikalisch von großer Komplexität geprägt.

Vor 20 Jahren hatten wir verschiedene Komponisten gebeten, eine Auswahl von Stücken zusammenzustellen und unter dem Stichwort „Musikalische Strategien für eine Musik des 21. Jahrhunderts“ zu kommentieren.

Das Ziel war eine sehr persönliche Bestandsaufnahme, die den Stand der Reflexion des Komponierens in der Auseinandersetzung mit Gegenwart spiegelt.

In dem Gespräch aus dem Jahr 2000 wird Elliott Carters ebenso umfassendes wie fundiertes Interesse an seinen Vorbildern wie an neueren Entwicklungen deutlich. Dies ermöglichte ihm eine differenzierte Sicht, mit der er sowohl die zukunftsweisenden als auch die konventionellen Aspekte der ausgewählten Komponisten darstellen konnte.

Elliott Carter (1908-2012) gehörte zu den interessantesten Protagonisten der amerikanischen Neue–Musik-Szene. Seine Karriere wurde in Europa mindestens ebenso aufmerksam verfolgt wie in den USA. Denn im Unterschied zu vielen seiner amerikanischen Kollegen schrieb Carter nicht für ein breites Publikum sondern für alle, die Interesse an einer wirklich neuen Musik haben. Gleichwohl stand dies nicht im Widerspruch zu dem zunehmend wachsenden Interesse an seinem Werk.

Nachdem sich Carter in den 30er und 40er Jahren in den Bahnen eines amerikanischen neo-tonalen Klassizismus bewegt hatte, versuchte er seit den frühen 50er Jahren kompositorisch neue Wege zu gehen.

Bruch mit der Konvention

Bekannt wurde er durch sein erstes Streichquartett und ein Zitat, das er dem Quartett vorausschickte: „Zum Teufel mit dem Publikum, zum Teufel mit den Musikern.“ Carter hatte sich zum Schreiben des Stückes für ein Jahr in die Wüste von Arizona zurückgezogen. Tatsächlich bedeutete der Rückzug auf sich selbst auch eine Art ästhetischer Selbstfindung. Damals schrieb er das erste Stück, in dem er nach eigener Aussage keine Konzessionen an den Publikumsgeschmack machte, sondern nur sein eigenes Interesse an avancierten Kompositionstechniken verfolgte.

Tradition in Musik aufheben

„Die Musikgeschichte“, so Carter, „ist für mich eine wichtige Sache. Ich versuche, die generelle Haltung in der Musik aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu überführen. Die traditionelle Musik wird vielfach deshalb zerstört, weil es scheint, sie reflektiere die alte Gesellschaft, das, was nicht mehr existiert. Ich versuche Gesichtspunkte der alten Musik in die heutige Welt zu übertragen.“

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© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 29.8.2019

Playlist:

  • Titel:„The Rosary Made of Bones“ aus: „Ongaku no Oshie“
    Best-Nr.:FOCD3297
    Länge:3:00 min
    Label:Fontec
    Orchester:live at Suntory Hall on 26 November 1995
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Ryouriyoue“
    Länge:5:00 min
    Orchester:live at Xebec Hall, Kobe, Japan, private Aufnahme
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Kageri : for live computer music system“
    Best-Nr.:FOCD3190
    Länge:4:00 min
    Label:Fontec
    Orchester:Computermusik
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„The Rosary Made of Bones“ aus: „Ongaku no Oshie“
    Best-Nr.:FOCD3297
    Länge:3:00 min
    Label:Fontec
    Orchester:live at Suntory Hall on 26 November 1995
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:aus: „Kafka’s Prozess“
    Best-Nr.:ATAK006
    Länge:5:00 min
    Label:ATAK
    Ensemble:elektronische Musik
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Toshi no Seikatsu“
    Länge:4:50 min
    Ensemble:NN
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Rosace 1/2“
    Best-Nr.:KVX-5516
    Länge:4:00 min
    Label:Victor
    Ensemble:Computermusik
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Egen“
    Best-Nr.:JRZ-2501
    Länge:1:30 min
    Label:RCA Japan
    Ensemble:Computermusik
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Phonigene“
    Länge:2:00 min
    Ensemble:elektronische Musik realisiert am NHK, Tokyo
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Unebiyama“
    Best-Nr.:FOCD3191
    Länge:5:00 min
    Label:Fontec
    Dirigent:Akira Matsuda
    Solist:Kazuko Takada
    Komponist:Yuji Takahashi
  • Titel:„Kaze ga omote de yondre iru“
    Best-Nr.:FOCD3191
    Länge:0:30 min
    Label:Fontec
    Dirigent:Akira Matsuda
    Solist:Kazuko Takada
    Komponist:Yuji Takahashi

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