Der Filmemacher und Philosoph Alexander Kluge hat in einem populär gewordenen Wort die Oper einmal als „Kraftwerk der Gefühle“ beschrieben. In kaum einem Moment des Aufführungsbetriebs beweist sich diese Bestimmung so anschaulich wie im Opernskandal.

Von Robert Sollich

Am 13. März 1861 hob sich an der Pariser Opéra der Vorhang für die französische Erstaufführung von Wagners Tannhäuser, was der Auftakt zu einem Abend von theaterhistorischer Bedeutung war. In dieser Zeit des französischen ‚Wagnerisme‘ vollzog sich an diesem Abend Spektakuläres, als plötzlich die Stimmung im Saal kippte. Die Störungen der Aufführung brachen ganz unvermittelt los. Die Proteste setzten sich bei den Folgevorstellungen fort und brachten eine der teuersten Produktionen in der Geschichte der Oper zu Fall. Konsterniert zog der Komponist sein Werk nach drei Aufführungen zurück und polemisierte noch Jahre später verbittert gegen die Pariser Banausen:

„Von nun an war es ihre Sache, zu verhindern, dass diese ballettlose Oper ihnen Abend für Abend vorgeführt wurde und diesem Zwecke hatte man sich auf dem Wege vom Diner zur Oper eine Anzahl Jagdpfeifen und ähnliche Instrumente gekauft, mit welchen alsbald nach ihrem Eintritte auf die unbefangenste Weise gegen den ‚Tannhäuser‘ manövriert wurde. (…) Von nun an half aber keine Beifallsdemonstration mehr – vergebens demonstrierte selbst der Kaiser mit seiner Gemahlin zum zweiten Male zugunsten meines Werkes; (…) Bis an den Schluß begleiteten Pfeifen und Flageoletts jeden Applaus des Publikums.“

http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/LN_Opernskandale.mp3

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© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 20.7.2019

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