Über Ferdinand Beneke (1774-1848) wüssten wir wenig, hätte er nicht von 1792 bis 1848 Tagebuch geschrieben, tagtäglich – außer in der Woche seines schwersten Liebeskummers.

Von Ariane Smith und Frank Hatje

 

Was macht ein 200 Jahre altes Tagebuch für uns heute interessant? Der Umstand, dass „Zukunft Herkunft“ braucht, wie der Philosoph Odo Marquard sagt? Was für einen Erkenntnisgewinn können wir denn erwarten, wenn wir uns mit den Tagebüchern eines Hamburger Juristen beschäftigen, der als Student die Französische Revolution bejubelt und keine zehn Jahre später Napoleon aus tiefstem Herzen gehasst hat? So könnte man weiter Frage an Frage reihen, die Antwort wäre immer die gleiche. 

Die Tagebücher Ferdinand Benekes sind nicht allein einzigartig wegen ihres enormen Umfangs, ihrer literarischen Qualität und thematischen Vielfalt, sondern vor allem weil sie uns eintauchen lassen in eine Epoche, aus deren Umbrüchen letztlich unsere Gegenwart hervorgegangen ist. Denn so, wie Beneke seine Lebensumstände, Gedanken und Gefühle zwischen 1792 und 1848 tagtäglich beschreibt und reflektiert, spiegeln sich in den Tagebüchern die Verhältnisse seiner Zeit anschaulicher als in den meisten Geschichtsbüchern.

Er nimmt uns mit auf seine Reisen, wie zum Beispiel 1801 an den Rhein. Er registriert die Folgen der Revolutionskriege, ist bewegt von den Ruinen des Mittelalters und zugleich überwältigt von der Schönheit der Landschaft. Mit ihm durchstreifen wir die Städte, die er besucht, samt deren Sehenswürdigkeiten und erfahren nebenbei von den Mühen des Reisens im Postkutschenzeitalter.

Manuskript

© Deutschlandradio Kultur, 14.1.2017

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