Etwa zur selben Zeit, als im Himalaya Alleinbezwingungen der Achttausender zur neuen Königsdisziplin von Extrembergsteigern wurden, entdeckten Jazzpianisten das Soloalbum. Wer sich Anfang der 1970er Jahre beweisen wollte, stürzte sich in die Einsamkeit der 88 Tasten – und das oft ohne die Sicherheit von Kompositionen. Noch Art Tatum und Thelonious Monk, Jaki Byard und Lennie Tristano, die schon allein auf weiter Flur bewährt hatten, verließen sich auf harmonisch vorgespurte Wege. Davon entfernte sich die nachfolgende Generation immer weiter. Von Gregor Dotzauer.

Innerhalb kürzester Zeit begründeten Chick Coreas „Solo Improvisations“, Keith Jarretts „Facing You“ und Paul Bleys „Open, to Love“ auf dem jungen Münchner Label ECM eine neue konzertante Klaviermusik, die zwischen virtuos aufschäumender Spätromantik und spröder Melancholie viele spontane Formen annahm.

An anderer Stelle verknüpfte Muhal Richard Abrams afroamerikanische Traditionen mit europäischer Avantgarde, und Cecil Taylor betrieb Hochleistungssport in Free-Jazz-Höhen knapp unterhalb der Todeszone. Mit leichter Verzögerung folgten auch Frauen – allen voran Irène Schweizer, deren Kraft und Beweglichkeit manchen Mann das Fürchten lehrte.

…Die beiden verbindet vieles. Wania, 1981 in Sanok an der Grenze zur Ukraine und der Slowakei geboren, hat nach einem Studium am Bostoner Berklee College, wo ihn insbesondere Danilo Perez und Jerry Bergonzi prägten, eine Professur in Krakau. Wollny, 1978 im unterfränkischen Schweinfurt geboren, hat eine Professur in Leipzig….

© Der Tagesspiegel, Kultur, 24.9.2020

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