Kaum einer hat den tiefverwurzelten Rassismus in den USA schonungsloser beschrieben als der Autor James Baldwin. Princeton-Professor Eddie S. Glaude Jr. hat nun eine beachtliche Studie über ihn geschrieben. So habe Baldwin sogar Trump vorausgeahnt.

„… das ist das Verbrechen, das ich meinem Land und meinen Landsleuten anlaste und das weder ich noch die Zeit noch die Geschichte ihnen jemals vergeben wird –, dass sie hunderttausendfach Leben zerstört haben und immer noch zerstören und nichts davon wissen wollen.“

So beschreibt der Autor James Baldwin in einem Brief an seinen Neffen die rassistische Unterdrückung und Gewalt, von denen er die USA auch noch hundert Jahre nach dem Ende der Sklaverei geprägt sieht. 1962 war das. Wenn im Jahr 2020 weltweit Menschen auf die Straße gehen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren, scheint Baldwins Anklage nichts von ihrer Dringlichkeit verloren zu haben.

James Baldwin, 1987 gestorben, gehört mit seinen Essays und Romanen zu den Klassikern der US-amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und nicht zuletzt der Auftrieb der Bewegung „Black Lives Matter“ mag dazu beigetragen haben, dass er seit einiger Zeit wieder mit verstärktem Interesse gelesen wird.

© Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 22.11.2020

One comment

  1. Hallo zusammen,

    Heute, nur sechs Tage nach dem aufrührerischen Überfall auf das US-Kapitol, sind die Gedanken von James Baldwin und die brilliante Untersuchung von Eddie Glaude erst recht Klassiker für den Rest unseres Lebens geworden. Super Beitrag, allerdings noch ohne die Bedeutung von „Begin Again“ für die deutschen Diskussionen und Rezeptionen herauszuarbeiten. Ich warte auf den Tag, an dem in den deutschen Debatten die Würdigung der Baldwin´schen Analysen für Bürgerrechtsbewegungen und alternative Politiken auch nur angesprochen wird. Hier wird immer noch der Ignoranz gehuldigt, so als ob die Nachwirkungen des rassistischen Suprematismus, als eine der Ur-Lügen des amerikanischen Konservativismus, wenn nicht als die Ur-Lüge der US-amerikanischen demokratischen Konstitution, als ob das alles keine Auswirkungen auf das deutsche Demokratieverständnis hätte.

    Nach dem terroristischen Angriffsakt auf den US-Kongress am 6. Januar 2021 möchte man der deutschen Mainstream-Politik und insbesondere den immer-noch-Anhängern des unter Reagan mächtig gewordenen Neoliberalismus schon die Frage stellen, wer eigentlich noch die respektablen Ansprechpartner der vermeintlich konservativen Szene in den USA sein sollen. Den erlauchten Mitgliedern der einflussreichen transatlantischen Honoratiorenklubs möchte ich schon einmal die Frage stellen: hey man, which are your buddies among the republican caucus, in the wake of the capitol riots 2021?!

    Alles Gute für ein besseres 2021

    Marcus Wolf

    Marcus Wolf

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