Doktor Prein und der Tod – Bekenntnisse eines Thanatologen

„Wer zu sterben gelernt hat, den drückt kein Dienst mehr“, postulierte der französische Philosoph Michel de Montaigne. Eine tiefgründige Einsicht – aber eine, der die wenigsten Menschen zu folgen vermögen.

Feature von Günter Kaindlstorfer

„Ich weiß nicht, ob man sterben lernen kann“, erklärt der österreichische Thanatologe Martin Prein: „Mit philosophischen Klimmzügen kann man sich vieles erdenken, aber das geschieht in der Regel aus sicherer Distanz. Wenn wir einmal selbst betroffen sind stellt sich die Sache in der Regel anders dar. Da verlieren philosophische Tröstungen rasch an Tragkraft.“

Martin Prein beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert mit dem Thema Tod und dem Umgang mit akut Trauernden. Gemeinsam mit Feature-Autor Günter Kaindlstorfer sucht er nach Antworten auf die „letzten Fragen“

© SRF 2, Passagen, 1.11.2019

5 Replies to “Doktor Prein und der Tod – Bekenntnisse eines Thanatologen

  1. montaigne?

    seit 30 jahren mein „meister“.

    und ja, wenn man das mit dem tod als bestem freund erst mal wirklich verstanden hat, kratzt einen nix mehr, was einen vorher noch hätte beunruhigen können. verwandte seelen erkenne ich meist daran, daß sie entweder in montaigne oder kevin coyne eine solche erkennen 😉

  2. > Sollte mich das beunruhigen ?

    wenn du einen philosophen suchen solltest, der dich nicht belehrt sondern mit dir „spazieren geht“, dir eine geschichte erzählt und es dir frei läßt, zu deinem eigenen urteil zu kommen – dann bist du mit montaigne gut bedient. ich denke ja, daß er, der sich als stoiker begriff, eigentlich ein dàoist war – das aber nicht wissen konnte.

    eine der geschichten, die er so erzählt: er lebte ja inmitten des französischen religionskrieges und erwähnt, daß seine adelskollegen ihre burgen stark befestigten und trotzdem ständig überfallen wurden, was ihm – der seine türen immer offen hielt – nie passierte. er war zu seiner zeit ja als diplomat und politiker aktiv, zog sich dann aber radikal aus dem öffentlichen leben zurück und widmete sich ausschließlich dem, was ihn interessierte. das war mir, nachdem drei beeindruckende personen seinen namen mir gegenüber hatten fallen lassen, ein vorbild, dem ich auf meine art dann nacheiferte.

    lies mal ein bißchen was über ihn oder diese wunderbare von enzensberger herausgegebene neuausagbe seiner „essaies“, vielleicht entdeckst du ja auch eine verwandte seele 😉

    kein philosophischer rechthaber, eher ein freund, der tröstet.

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