Mit seinem Bandoneon, das er schluchzen und seufzen lässt, aber auch jubeln und fauchen, begibt er sich auf imaginäre Reisen in seine Heimat. Er ist ein Musikphilosoph und Geschichtenerzähler, ein musikalischer Grenzgänger zwischen Tango und Jazz, Klassik und Improvisation. Nicht einzuordnen mit seiner Musik voller aufregender Brüche, die keiner Ästhetik, keinem Stil allein angehört.

Der weltberühmte Bandoneonspieler, Komponist und Improvisator wurde als Timoteo „Dino“ Saluzzi am 20. Mai 1935 im kleinen Ort Campo Santo in der Provinz Salta im Nordwesten Argentiniens geboren. Die Volksmusik seiner Heimat, der Anden und der Indios, hat er ebenso verinnerlicht wie den Tango Nuevo eines Astor Piazzolla. Als er sieben Jahre alt war, gab ihm sein Vater, der abends nach der Arbeit in der Zuckerrohrfabrik selbst Bandoneon spielte, sein erstes Instrument. Von da an war Dino Saluzzi nicht mehr zu halten, er eroberte die Bühnen der Welt, spielte solo oder zusammen mit Jazz-Kollegen wie Charlie Haden und Pierre Favre oder mit der Münchner Cellistin Anja Lechner. Und in seinen unnachahmlichen Bandoneon-Ton legte er all seine Seele und Sehnsucht.

© BR Klassik, Musik der Welt, 23.5.2020

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