Die Spex wird eingestellt …. weitere Stimmen und Meinungen dazu.

Das Popfeuilleton in Schockstarre: Die Spex wird Ende des Jahres eingestellt, wie Chefredakteur Daniel Gerhardt gestern in einem Editorial mitteilte. Die Gründe? „Der Anzeigenmarkt befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Immer mehr Unternehmen ziehen sich vollständig aus dem Printgeschäft zurück und investieren ihre Marketinggelder stattdessen vermehrt in SocialMediaWerbung– ein Trend, der sich 2018 nochmals verschärft hat.“

Auf ZeitOnline zeigt sich Georg Seeßlen, selbst Spex-Autor, sehr betrübt darüber: Mit der Spex gehe gerade wegen der Bindung ziwschen Medium und Lesepublikum etwas sehr Besonderes verloren. „Die Spex war das ideale Medium für das, was den ‚Essay‘ im Innersten ausmacht: offenpersönlichneugierig und wagemutig. Klar, war das auch schon der nächste Spagat: Popleitmedium zu sein und Experimentierstation, vom literarischen Anspruch und Design her Avantgarde zu sein und gleichzeitig im Pop geerdet. Da wurde im Prinzip jede Entscheidung, jeder neue Impuls zur Gestaltung der schönen Widersprüchlichkeit, in der man zu arbeiten hatte.“

„Man musste Spex nicht immer verstehen, die Zeitschrift zu lesen war eine Frage der Haltung, und der Sound des Magazins schien mehrspurig aus neuester Musikproduktion und Theorie gemixt zu sein“, schreibt Harry Nutt in der Berliner Zeitung und macht eine traurige Beobachtung in einer aktuellen Ausgabe, wo Jens Friebe in einem Gespräch sagt: „‚Vermutlich ist es heute schwieriger, über Pop zu schreiben, als selbst Pop zu machen.‘ Das klingt nun wie ein sentimentalischer Abschiedsakkord.“

Ist das Internet schuld am Untergang der Musikmagazine Spex und Groove? Schuld hat vor allem der Wegfall der Werbeanzeigen, so Jan Kedves in der SZ. Der Niedergang der Popmagazine liege aber vor allem auch daran, „dass der Informationsvorsprung, aus dem Magazinredaktionen lange einen Großteil ihrer Autorität zogen, zunehmend schwand. Über ein neues Album weiß seit dem digitalen Wandel die ganze Welt zeitgleich Bescheid. Im Falle von Spex ließe sich sogar sagen, dass der legendäre Status des 1980 gegründeten Magazins noch komplett in analogen Zeiten gründet.“ Dass die Spex seit Jahren allerdings die Originalität der Gründergeneration vermissen lässt, erwähnt Kedves auch.

Und die taz hat Stimmen aus dem Betrieb gesammelt.

© Text und Links: Efeu 16.10.2018 (Perlentaucher)

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