Maria Herz. 1920 konnte sie sich in Köln als Komponistin mit Liedern, Kammermusik und Orchesterwerken etablieren. 1935 verstummte sie im erzwungenen Exil. Ihre Musik blieb in den Schubkästen. In Zürich kann ihr Nachlass nun entdeckt werden.

Von Georg Beck

Bis vor kurzem kannte niemand diesen Namen: Maria Herz. Wer war diese Frau, die sich als Pianistin und Komponistin in den 1920er Jahren in Köln etablieren konnte? 

Musikalische Frühförderung

Am Anfang steht ein musikliebendes Elternhaus. Geboren als Maria Bing am 19. August 1878 als jüngstes Kind einer jüdischen Kölner Textildynastie, erhält sie früh eine professionelle Ausbildung in der Klavierklasse von Max Pauer, Professor am Kölner Konservatorium.

Nach der Heirat 1901 mit dem Kölner Chemiker Albert Herz und dem Umzug der Familie nach England, nimmt Maria Herz Kompositionsunterricht bei dem Komponisten und Kunstmaler Arthur Edmund Grimshaw, schreibt erste Werke im romantischen Stil, veranstaltet kommentierte Konzerte, in denen sie als Pianistin und Komponistin, aber auch als Referentin in Erscheinung tritt.

Gestrandet in Köln

Ein Besuch der Familie in Köln im Sommer 1914 hat Folgen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert die Rückkehr der Familie nach England. Sie muss mit den vier Kindern in Köln bleiben.

Nach dem frühen Tod des Ehemanns nimmt Maria Herz erneut Kompositionsunterricht, zunächst bei August von Othegraven und Hermann Hans Wetzler, ab 1927 auch beim angesehenen Komponisten Philipp Jarnach. Zum Freundeskreis zählt der Dirigent Otto Klemperer, erster Kapellmeister an der Kölner Oper.

Erfolge unter männlichem Namen 

1926 setzt die Komponistin den Vornamen ihres verstorbenen Ehemannes vor ihren Namen, im Bemühen, im männerdominierten Geschäft als Albert Maria Herz besser Fuß zu fassen, was auch gelingt. Regelmäßig werden nun ihre neuen Werke gespielt, den Höhepunkt bildet die Uraufführung der „Vier kleinen Orchestersätze“ op. 8 am 15. Oktober 1928 im Kölner Gürzenich unter Hermann Abendroth.

http://xb187.xb1.serverdomain.org/radio/musik/Maria-Herz–eine-Komponistin-wird-wiederentdeckt.mp3

© Deutschlandfunk Kultur, Musikfeuilleton, 11.12.2020

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