„Die Gnawa und ihre mystisch-aufgeladene Trancemusik“ Von Roland Biswurm

Marokko – Wunderland des „Kif“ und Rif-Gebirges: Der „Hohe Atlas“, Sehnsuchtsort für so viele Hippies und Blumenkinder während der sechziger und siebziger Jahre. Hier treffen so unterschiedliche Kulturen aufeinander wie die Arabo-Andalusische, die Kultur der Berber und Tuareg und die synkretistischen Kulturen der Aissawa, Hamadscha, Jilala und Gnawa.

Sie alle wurzeln tief in den schwarzafrikanischen Kulturen derer, die einst als Skalven nach Europa, Amerika und in den Norden des afrikanischen Kontinents verschleppt worden sind, um als Söldner oder Dienstboten zu frönen. „Die Gnawa haben das afrikanische Mutterland nie verlassen, weshalb sie diese besondere Kultur entwickelt haben“, sagt der afroamerikanische Jazzmusiker Randy Weston. Und es stimmt: während andere afro-synkretistischen Kulturen wie Santeria auf Kuba, Candomblé in Brasilien oder Vodou auf Haiti unter dem Deckmantel des Katholizismus ihre ureigenen Kulte pflegen, praktizieren die Gnawa dies unter dem Deckmantel des Islam: vorderhand werden die islamischen Heiligen, allen voran der Prophet Mohamed, gepriesen und besungen, aber inmitten dieser Gesänge finden sich Sprachfetzen von Bambara, Yoruba, Wolof und anderen westafrikanischen Sprachen. Die Trancerituale der Gnawa werden „Leilas“ genannt und können bis zu drei Tagen und Nächten dauern. Dabei geht es nicht nur um – in unserem Verständnis – „Party“ oder „Spaß haben“, „feiern“, sondern diese Trancerituale dienen genuin einem therapeutischen Zweck, fungieren als Sozialregulativ. Roland Biswurm ist tief eingetaucht in die hypnotischen Rhythmen der Karkaba, der großen Metallkastagnetten und der Guembri, der dreisaitigen Bass-Kastenlaute.


http://xb4160.xb4.serverdomain.org/Musik/Die-Gnawa-und-ihre-mystisch-aufgeladene-Trancemusik.mp3

© BR Klassik, Musik der Welt, 14.3.2021

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