„Ich möchte einen Raum haben, in dem ich den Raum ausschalte.“ In der Mitte des letzten Jahrhunderts zog der Dirigent Hermann Scherchen nach Gravesano, ein abgelegenes Tessiner Dorf.

 

Von Christina Kubisch

Auf seinem Anwesen baute er ein experimentelles Tonstudio und schuf so einen Begegnungsort für Wissenschaftler, Elektroakustiker und Musiker aus aller Welt. Über die Weihnachtsfeiertage 1956 befasste er sich intensiv mit der Positionierung von Mikrofonen.
In ihrer Komposition transformiert Christina Kubisch die Aufnahmen dieser Studie – erst unmerklich, dann entschieden – und reflektiert so ein weiteres Mal die Verbindung von Klang und Raum.

Besonderen Dank an die Akademie der Künste Berlin für das Archivmaterial.

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Schall und Klang Von Christina Kubisch

Mit den Stimmen von Hermann Scherchen und Kathrin Röggla
Eckehard Güther: AKS Synthesizer
Christina Kubisch: elektromagnetische und elektronische Klänge sowie field recordings
Ton: Eckehard Güther
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2017/ Studio für Elektroakustische Musik der
Akademie der Künste / Studio Hoppegarten 2017
Länge: 48’29 Ursendung

© Deutschlandradio Kultur, 19.10.2017

Zum Hörspiel

Das Hörspiel beruht auf dokumentarischem Originalmaterial und eigenen Klängen.

Die Quellen:

1.Tonaufnahmen, die Hermann Scherchen 1956 in seinen Studios in Gravesano über die Weihnachtstage machte. Mit dabei waren André Moles vom Ircam und ein Radiotechniker. Scherchen gibt Anweisungen zur Einstellung und Position der drei für die Aufnahme eingesetzten Mikrofone und singt dann mit wechselnder Intensität immer wieder den Beginn der Ode an die Freude aus der 9. Symphonie von Beethoven. Insgesamt singt er die „Ode“ einhundertdreimal während eines Zeitraums von drei Tagen.

  1. Die Gravesaner Blätter, eine Reihe von Zeitschriften mit teilweise beigelegten Schallplatten, die die Aktivitäten in den Gravesaner Studios dokumentieren.
    Die Themen sind „musikalische, elektroakustische und schallwissenschaftliche Grenzprobleme“. Von diesen Schallplatten werden Hermann Scherchens Ansagen zu verschiedenen akustischen Versuchsreihen und einige andere Stimmbeispiele benutzt.

  2. Die Überschriften der Kapitel der Gravesaner Blätter werden nacheinander von einer Frauenstimme gelesen. Die Ansagen ertönen im Abstand von jeweils einer Minute.

  3. Field recordings (Naturaufnahmen) die zum Teil 2016 in und um Gravesano gemacht wurden. Weitere Aufnahmen aus meinem Archiv wurden nach Beschreibungen ausgesucht, die mir Myriam Scherchen von der Klangwelt in Gravesano machte. Die Klänge gehen von Froschkonzerten, Kühen und Brunnen bis zu knarrenden Treppen und den militärischen Übungen der Schweizer Armee im großen Gartengelände.

  4. Elektromagnetische Aufnahmen und elektronische Klänge von Christina Kubisch.

  5. Klänge eines originalen Synthesizers AKS (hergestellt von den EMS Studios in London).

  6. Aufnahmen von Rückkopplungen, Tonbandmaschinen und anderen Geräten.

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