Der Attentäter von Hanau hatte es, der von Halle hatte es auch, ebenso wie die Attentäter von Christchurch, Dayton und El Paso: ein Verhältnis zu Frauen, das man getrost als „gestört“ bezeichnen kann – mindestens. Von Elisabeth Veh

Es ist ein Morgen wie jeder andere, und Anne Helm wartet auf den Bus. Sie ist die Fraktionsvorsitzende der Partei “Die Linke” in Berlin. Der Bus lässt noch auf sich warten. Da sprechen sie zwei Männer an. Anne Helm sagt, Leute aus der Szene. Die beiden erklären ihr, dass sie wissen, wo sie wohnt. Dass sie wissen, welchen Bus sie nimmt. Und wo sie damit hinfährt. Das war bereits vor ein paar Jahren. Seitdem weiß Anne Helm, dass Neonazis sie beobachten. 

Nazis fertigen Listen von Menschen an, die sie als „Feinde“ einstufen

Daran hat sich bis heute vermutlich nichts geändert, zumindest existiert die Szene weiter und die Polizei fand auf dem Rechner eines Tatverdächtigen der rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin Neukölln Feindeslisten. Also Listen von Personen mit persönlichen Daten. Darunter auch die von Anne Helm. Das LKA Brandenburg hat sie darüber informiert und gewarnt. In einem Warnbrief an die Betroffenen schreibt das LKA aber auch, man könne aus der Liste keine konkrete Gefährdung ableiten. Es sei eine Datensammlung über Institutionen und Menschen, die als “politische Gegner” angesehen werden.

Briefe voller Frauenhass

Man könnte an dieser Stelle also erstmal lapidar feststellen, Anne Helm sei Kummer gewohnt. Doch dann geht im Juli diesen Jahres die Sache mit den Emails los. „Was jetzt sehr speziell ist an dieser Situation mit den NSU 2.0 unterschriebenen Emails“ sagt Anne Helm, „ist, dass sie eine sehr, sehr explizite Sprache verwenden.“ Zum einen mit klarem Bezug zur NS-Ideologie – Anne Helm sagt, der oder die Täter schrieben, als wären sie Teil einer Behörde, formulieren bürokratisch und betten sich selbst in eine Art NS-Hierarchie ein. Der “Obersturmbannführer”, der einge Mails an andere Betroffene unterschrieben hat, ist so ein Beispiel. Und zum anderen sind die Mails voller Hass auf Anne Helm als Frau, sagt sie: „Eben diese ganz vulgären Beleidigungen und Vergewaltigungsphantasien, extreme Gewaltfantasien gegen weibliche Körper.“

© Bayern2, Zündfunk Generator, 18.9.2020

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