Der nahe der österreichischen Grenze im bayerischen Sachrang aufgewachsene Werner Herzog glaubte schon immer daran, die Wirklichkeit beeinflussen zu können: Ende 1973 wanderte er in 22 Tagen von München nach Paris, um die schwer kranke Filmkritikerin Lotte Eisner zu besuchen und damit, in seinem Verständnis, vor dem Tod zu retten. Tatsächlich lebte die Eisner noch weitere zehn Jahre. Über seinen Fußmarsch schrieb Werner Herzog das Buch „Vom Gehen im Eis“.

Von Moritz Holfelder

1977 wettete der Filmemacher mit seinem amerikanischen Kollegen und Freund Errol Morris, dass dieser es nie schaffen würde, seinen ersten Dokumentarfilm „Pforten des Himmels“ fertig zu stellen. Herzogs Wetteinsatz war das Versprechen, seine Schuhe zu essen. In dem Kurzfilm „Werner Herzog Eats His Shoe“ sieht man, wie er die verlorene Wette einlöst.

„Ich, Herzog Werner, geboren 1942, sage, dass sich Wahrheit, eine bestimmte, tiefere Schicht von Wahrheit, nur erreichen lässt durch Stilisierung und Inszenierung und Erfindung. Ich nenne es die ekstatische Wahrheit.“

(Werner Herzog)

Der bayerische Regisseur hat sich in allen seinen Filmen immer mit der Hybris der Menschen auseinandergesetzt, vor allem mit der eigenen. Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein. Eigentlich geht es immer um Werner Herzog selbst, um seinen subjektiven Blick auf die Welt, den im Spielfilm sein Alter Ego Klaus Kinski am radikalsten verkörpert hat, und der im Dokumentarfilm darin besteht, Vorkommnisse, Personen und ihre Aussagen bisweilen sogar frei zu erfinden. Scheiß auf die Authentizität. Werner Herzog spricht in diesem Zusammenhang von der ekstatischen Wahrheit.

Moritz Holfelder hat Werner Herzogs Karriere über zwei Jahrzehnte beobachtet und begleitet – und den Regisseur immer wieder zu seinen Filmen und seiner Arbeitsweise befragt. „Die ekstatische Wahrheit“ porträtiert einen Regisseur, der immer bis ans Ende geht – und dann noch weiter.

„Kaum ist ein Film fertig, dringen wie Einbrecher in der Nacht neue Projekte auf mich ein. Und ich, Herzog Werner, muss mit ihnen ringen und kämpfen und sehen, wie ich sie aus dem Haus herausbekomme. Oder als Filme auf die Leinwand.“

(Werner Herzog)

© Bayern 2 Bayerisches Feuilleton, 3.9.2017

Filmografie (Auswahl)

1963 Herakles
1971 Auch Zwerge haben klein angefangen
1971 Land des Schweigens und der Dunkelheit
1974 Jeder für sich und Gott gegen alle
1976 Herz aus Glas
1977 Stroszek
1979 Nosferatu
1979 Woyzeck
1982 Fitzcarraldo
1984 Wo die grünen Ameisen träumen
1988 Cobra Verde
1991 Schrei aus Stein
1997 Little Dieter Needs to fly
1999 Mein liebster Feind
2001 Invincible
2003 Rad der Zeit
2004 The White Diamond
2004 Grizzly Man
2005 The Wild Blue Yonder
2006 Rescue Dawn
2007 Begegnungen am Ende der Welt
2009 Bad Lieutenant
2009 My Son, My Son, What Have Ye Done
2011 Die Höhle der vergessenen Träume
2012 Death Row
2012 Jack Reacher
2016 Salt and Fire.

4 Comments

      1. fand ich auch. bei tv3, wo ich jetzt seit 20 jahren alle vier wochen ein tv-programm mit 16 sendern gemacht habe, mache ich sei neuestem 2 seiten/woche mit programmtipps und 2 seiten streaming empfehlungen. „mandalorian“ war, neben ua. „handmaids taile“, „vikings“ und „britannia“ auch dabei. wobei ich ja eigentlich weniger star wars oder star trek sondern eher ein babylon5 fan bin 😉

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