Die türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan war 2016 nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei mehrere Monate inhaftiert. Die Zeit seit ihrer Freilassung 2017 hat sie bisher im Exil in Frankfurt verbracht. In ihrer schriftstellerischen und politischen Arbeit kämpft sie vor allem gegen politische Gewalt.

Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog

Aslı Erdoğan schreibt über Verlust, Schmerz und Trennung. Immer wieder prangert sie die Gewalttätigkeit der politischen Führung in der Türkei an. Vor allem fordert sie, dass sich die türkische Gesellschaft und die türkische Politik endlich mit dem Völkermord an den Armeniern und den Verbrechen gegen die Kurden auseinandersetzen. Deshalb ist sie in ihrer Heimat seit vielen Jahren hassvollen Übergriffen ausgesetzt. Es war also kein Zufall, dass Aslı Erdoğan – so wie zahlreiche andere Künstler und Intellektuelle – im Zuge der Säuberungswelle nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 in der Türkei sofort inhaftiert wurde.

Eine internationale Solidaritätskampagne bewirkte nach einigen Monaten ihre Entlassung aus der Untersuchungshaft. Am 14.02.2020 hat ein Gericht in Istanbul Aslı Erdoğan vom Vorwurf des „Terrorismus“ freigesprochen. Die Richter sahen ihre „Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung“ nicht als erwiesen an und sprachen Aslı Erdoğan auch vom Vorwurf frei, „Zersetzungversuche“ unternommen zu haben. Zudem ordnete das Gericht an, ein Verfahren wegen „Terrorpropaganda“ einzustellen.

Seit 2017 wohnt Aslı Erdoğan in Frankfurt. In der Sendung erzählt sie von ihrem politischen Engagement in der Türkei und von ihrer literarischen Arbeit.

© WDR 3, Feature, 8.2.2020

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