1880 gab es ungefähr 700.000 Klaviere in Australien, mitgebracht von den etwa drei Millionen Einwanderern aus Europa. Und mit diesen Instrumenten und ihrem Repertoire wurde zugleich fixiert, was man künftig in Down Under als echte Musik zu verstehen hatte.

Eine Sendung von Johannes S. Sistermanns

Und das war über viele Jahrzehnte hinweg nicht die Musik der Aborigines. Seit einiger Zeit betrachten australische Komponisten nun ihre musikalischen Wurzeln kritischer. Sie erkennen die hegemoniale Dominanz der Tasteninstrumente. Solche Kolonialklaviere hat die Pianistin Gabriella Smart aus Adelaide ausfindig gemacht; überdies vergibt sie Aufträge an Komponisten, die sich künstlerisch mit den Geschichten der teils verwitterten, teils sehr gut erhaltenen Exemplare auseinandersetzen. Denn die Kolonialklaviere sind ikonische Symbole australischer Entstehungsgeschichte: Sie erzählen u.a. von Völkermord und Überlebenskampf.


© HR 2, Neue Musik, 20.12.2018

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