Es scheint, als gebe es zwei Kurt Weills: auf der einen Seite der europäische und politische wache Komponist, auf der anderen der amerikanische Musical-Komponist. Hierzulande assoziiert man mit ihm in erster Linie seine Arbeiten mit dem Schriftsteller Bertolt Brecht: „Die Dreigroschenoper, „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, oder „Die sieben Todsünden“.

Von Harry Lachner

Seine Werke aus dem amerikanischen Exil, die Musicals „Johnny Johnson“, „One Touch Of Venus“ oder „Street Scene“ sind den Europäern dagegen weniger vertraut. Betrachtet man die Liste mit Weill-Interpretationen, so stößt man auf dieselbe Unterteilung: Das Gros der amerikanischen Weill-Interpretationen besteht aus seinen Musical-Songs. Die Europäer dagegen setzen mehr auf eine Ausdeutung der Songs aus der Berliner Zeit Weills. Diese unterschiedliche Rezeption ist bezeichnend für die beiden so verschiedenen Kulturlandschaften: Amerika konnte lange Zeit mit der epischen Theaterkonzeption eines Bertolt Brecht so gar nichts anfangen. Erst Mitte der 50er-Jahre wurde die „Dreigroschenoper“ dort erfolgreich. Die Sendung stellt die Frage nach dem offenen und verborgenen politischen Impuls in der Musik Kurt Weills.

 

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© SWR 2, Mussikpassagen, 29.4.2018

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