Morricone konnte mehr. Jenseits von Showdown-Sounds und Oboen-Schmachtfetzen gibt es im Nachlass des Komponisten noch viel zu entdecken.

Nach seinem Tod am 6. Juli 2020 wurde Ennio Morricone in zahlreichen Nachrufen wieder mal ob seiner Musik für Italo-Western gehuldigt, obwohl diese Soundtracks nur circa 10 Prozent seines filmmusikalischen Oeuvres ausmachen. Morricones Palette war wesentlich breiter, es gibt kaum einen Stil vom Barock bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, den der Maestro nicht perfekt beherrscht oder grandios adaptiert hätte.

Klassik, Schlager, Jazz, Neue Musik, Beat, Bossa Nova und Samba, elektronische Musik, psychedelische Rockmusik, Folk, freie Improvisation, Disco, World Music – durch zahlreiche Tonträger-(Wieder-)Veröffentlichungen in den letzten Jahrzehnten wurde Morricones breites musikalisches Spektrum aus der Zeit bis Mitte der 70er Jahre endlich ins rechte Licht gerückt.

Deshalb konzentriert sich WDR 3 Open Sounds nun auf den eher unbekannten Morricone – die weniger prominente Phase von Mitte der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre und das facettenreiche Spätwerk nach „The Mission“ (1986); die funktionalistische Adaption von Neuer Musik in der Library-Musik; Arrangements für Instrumentalmusik und italienische Schlager. Dabei kommen diverse Kompositionsmethoden und ästhetische Strategien Morricones zur Sprache: multiple Filmmusik und modulares Komponieren, organisierte Improvisation und dynamische Immobilität.

Und der Maestro verrät, inwiefern er – in  Abgrenzung zu seiner „absoluten Musik“ – in seiner über 50-jährigen filmmusikalischen Laufbahn stets eine Doppel-Ästhetik verfolgt hat.  

http://xb4160.xb4.serverdomain.org/Musik/Olaf-Karnik-Der-unbekannte-Morricone.mp3

© WDR 3, Open Sounds, 26.9.2020

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.