Am 10.1.2021 jährte sich Bowies Tod zum 5mal. Er war drogensüchtig, pleite, und eine andere Rocklegende aß ihm den Kühlschrank leer. Was David Bowie dem Tagesspiegel 2002 über seine Berliner Jahre erzählte. David Bowie und Berlin – das war eine besondere Beziehung. Zum fünften Todestag des weltberühmten Künstlers publizieren wir hier das Gespräch aus dem Jahr 2002 noch einmal. Interview mit Lars von Törne.

Wen würden Sie gerne wiedertreffen, wenn Sie nächste Woche in Berlin sind?

Edgar, ich würde gerne Edgar sehen.

Edgar?

Edgar Froese von Tangerine Dream. Ein sehr netter Kerl. Edgar und seine Frau haben mir wirklich geholfen, als ich in Berlin lebte. Ich ging damals durch eine schwierige Phase, hatte ungeheure Schmerzen. Und sie haben mich unterstützt, vom Kokain wegzukommen. Ja, die beiden waren sehr lieb zu mir.

Wissen Sie noch, wo Sie damals lebten?

Hauptstraße 155, in Schöneberg.

Sie erinnern sich nach 25 Jahren noch an die Hausnummer?

Die vergesse ich niemals. Das waren sehr wichtige Jahre. Es war in so vieler Hinsicht sehr befreiend für mich, in Berlin zu leben.

Sie waren damals schon ein Weltstar. Wie verbrachte David Bowie in Berlin seine Tage?

Die meiste Zeit verbrachten Iggy und ich…

…Sie meinen Iggy Pop, den Punkrocker…

…genau, also im Grunde versuchten wir, von dem Zustand wegzukommen, in dem wir uns zuvor in den USA befunden hatten.

Ihre Kokainsucht?

Ja, ein großer Teil der Zeit ging ganz einfach dafür drauf, uns darüber klar zu werden, was wir von unserem Leben überhaupt wollen. Allerdings redeten wir damals nicht sehr viel. Jeder ging so seine eigenen Wege, hatte seine eigene Tagesordnung. Wir haben viel alleine gemacht.https://b8b4d75659652a04be8de39fdf22fbfb.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-37/html/container.html

Klingt so, als lebten Sie damals ein ziemliches Einsiedlerleben.

Oh nein, wir sind trotzdem schrecklich viel ausgegangen. Ich glaube, damals begann ich erstmals wieder, auch während des Tages etwas zu unternehmen. Das hatte ich in den Jahren davor nicht mehr so oft gemacht. Aber wir gingen auch abends viel aus. Wir waren oft im „Exil“…

…dem Kreuzberger Restaurant?

Ja, und in anderen Läden, an deren n ich mich nicht mehr erinnern kann. Meistens Restaurants, in die wir zum Essen gingen, manchmal auch Bars. Aber eben keine Nachtclubs mehr wie in den Jahren zuvor.

© Der Tagesspiegel, Berlin, 10.1.2021

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