Der Mann hinter Fugazi oder dem Label Dischord Records und sein neues entspanntes Trio Coriky. Oft kommt es dieser Tage nicht mehr vor, dass man ausgerechnet von einer Band aus der Ecke der Indie-Rock-Musik überrascht wird. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang. Drei Leute reichen. Kein Remmidemmi. Kein Gebolze, wenige Effekte, kein Gebrüll.

Wenn das Trio Coriky auf seinem titellosen Debütalbum im letzten Song Inauguration Day darüber singt, dass das Wahlvolk wenig Einfluss darauf hat, wer US-Präsident wird, geschieht das in Form einer musikalischen Geschichtsstunde, die zeigt, dass altes Aufbegehren heute immer noch als relevant zu gelten hat:

„What’s surprising is the expectation that we’d ever have a say / About who’d be standing on that carpet on inauguration day.“ Gezupfte Gitarre, leiser, mehr in sich hineinhorchender als in das Mikro brüllender Gesang. Erst am Ende des Songs geht die Bombe hoch. Doch davon gleich mehr.

Zuvor noch eine kurze Erläuterung, warum dieser ganze Indierock seit gefühlten 25 Jahren nervt: Möglicherweise hat das damit zu tun, dass das Genre schon in den guten alten Zeiten vor Kurt Cobains Selbstmord gut durchdekliniert war. Historisch gesehen geht es um eine Kombinationstherapie. Von Größenwahn, Minderwertigkeitskomplexen, Mieselsucht, manchmal auch nur von einem reinen Huscher oder einer gewissen Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation beeinflusster Gesang trifft auf Drogen aller Art. Dazu krachen obstruktive Gitarren in die revolutionär-autistisch aufgeladene Stimmung. Die Gitarren werden durch mit dem Fuß bedienbare Distortion-Pedale gejagt, die die Fachwelt nicht von ungefähr Tretminen nennt.

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© Der Standard, Kultur, 3.7.2020

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