Der israelische Trompeter präsentiert sich auf seiner neuen CD „Big Vicious“ als Orpheus der Einfachheit. Das Covergemälde der CD Big Vicious zeigt eine in neblige Düsternis gehüllte Combo, die in ihren Reihen nebst einsamem Trompeter gleich zwei Schlagzeuger und zwei Gitarristen führt. Das muss krachen! 

Eine doppelt besetzte Rhythmusgruppe steht ja gemeinhin für ekstatische Opulenz und jazzige Exzessivität. Nichts davon jedoch interessiert das Quintett des israelischen Trompeters Avishai Cohen, das er auf „Big Vicious“ taufte. Die Band tönt, als hätten sich smarte Jazzer als Popcombo getarnt, um Lieder ohne Worte zu hauchen.

Der Gesangspart ist dabei Cohen, dem Instrumentalsänger, überantwortet. Er schwebt elegisch durch sich ständig neu mischende Klangnebel und dezente Grooves. „Wir kommen alle vom Jazz, aber ein paar von uns kehrten ihm den Rücken“, fasst Cohen die Haltung des bei ECM erschienen Projekts zusammen.

Auf sanft brodelnder Basis lässt es Elemente von Ambient, Rock, Pop und Trip-Hop im Geiste der Entschleunigung aufleben. Eine reduzierte ätherische Version von Beethovens Mondscheinsonate (1. Satz) ist ebenso dabei wie Teardrop, ein Hit von Massive Attack, bei dem Cohen den Part von Sängerin Liz Faser übernimmt….

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© DerStandard, Kultur, 8.5.2020

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